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Rheinberg
"Schule der Zukunft" hat keine mehr

Rheinberg. Eine letzte Würdigung der Verdienste: Zahlreiche Gäste kam zur feierlichen Ende der Hauptschule in Rheinberg, einst die zweitgrößte Schule des Landes. Von Erwin Kohl

Feierlich ist die Hauptschule jetzt nach 48 Jahren offiziell geschlossen worden. Zahlreiche Gäste nahmen an der Feier teil. Bürgermeister Frank Tatzel sagte: "Der demografische Wandel und das elterliche Schulwahlrecht haben für einen deutlichen Rückgang der Schülerzahlen geführt. Für den Jahrgang 2010/11 lagen nur noch 26 Anmeldungen vor. Damit war das Schicksal der Schule besiegelt."

Mit dem Ende der Schule endet auch das Berufsleben von Heiner Morsch. Mit Adolf Spengler präsentierte Morsch noch mal die bewegte Geschichte der Schule. Spengler, bis 1998 als Konrektor tätig, gehörte 1968 dem ersten Kollegium an. "Voraussetzung für die Gründung der Hauptschulen war damals ein Schulversuch, für dessen Auswertung aber die Zeit fehlte", erinnerte sich Adolf Spengler. Einige Jahre später besichtigte sogar der Kultusminister die mit 380 Schülern zweitgrößte Schule des Landes. Dennoch sei die Hauptschule, was die Zuwendungen betraf, immer stiefmütterlich behandelt worden.

Dass man damit nicht nach den Sternen greifen konnte, machte Heiner Morsch deutlich: "Der heutige Musikraum sollte eigentlich Sternwarte werden, aber der Stadt fehlte das Geld." Die Schule machte aus der Not eine Tugend, studierte die Oper "Der Struwwelpeter" ein und nahm mit dem Schulchor sogar eine Schallplatte auf, die Morsch auf dem schuleigenen Plattenspieler gleich mal vorspielte.

Obwohl die Schließung am 27. Oktober 2010 beschlossen wurde, konnte die Schule zwei Jahre später noch mal von sich reden machen. "Wir wurden als Schule der Zukunft ausgezeichnet, obwohl wir keine mehr hatten", berichtete Morsch.

Was bleibt, sind nicht allein tausende Schüler, die in Beruf und Gesellschaft fest verankert sind. Die Hauptschule hat auch etliche Lehrer ausgebildet, dafür gar ein eigenes Trainingsklassenzimmer unterhalten. Die Schließung einer Schule ist eine traurige Angelegenheit. Aus dem Mund von Petra Klisch klang das schon fast nach einer Beerdigung. "Wir wollen in Dankbarkeit der geleisteten Arbeit an dieser Schule gedenken", sagte die Schulamtsdirektorin des Kreises.

Hauptschulen seien möglicherweise ihrer Zeit weit voraus gewesen: "Bevor andere das Wort Inklusion schreiben konnten, wurde sie an Hauptschulen gelebt. Salopp gesagt: Die Aufgabe der Hauptschulen war es, die Kohlen aus dem Feuer zu holen und Schüler, die von anderen Schulen aufgegeben wurden, zum Abschluss zu führen."

Quelle: RP
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