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Alpen
Schulfusion - aber nur im Notfall

Alpen. Schulpolitiker aus Rheinberg und Alpen sorgen mit gemeinsamer Erklärung für Sicherheit am Schulstandort Alpen. Von Bernfried Paus

Aus der Bibliothek im Alpener Schulzentrum kommt ein starkes nachbarschaftliches Signal. Die Schulpolitiker aus Alpen und Rheinberg haben gestern Abend, räumlich getrennt, aber mit überwältigender Mehrheit eine gemeinsame Absichtserklärung beschlossen, in solidarischer Anstrengung den Schulstandort an der Fürst-Bentheim-Straße auf lange Sicht zu erhalten. Damit ist auch für den Notfall sichergestellt, dass auch in Zukunft Alpener Kinder nach Klasse vier weiter in Alpen zur Schule gehen und alle Abschlüsse bis zur Mittleren Reife ablegen können - und zwar unabhängig davon, wie viele Eltern ihr Kind für die Klasse fünf an der Sekundarschule anmelden. Weil das zuletzt nicht genug waren, haben Stadthaus und Rathaus die verantwortlichen Köpfe zusammengesteckt und nach einer Lösung gesucht - für Alpen, klar, aber auch für Rheinberg, weil die Oberstufe auf Schüler aus der Nachbarschaft kaum verzichten kann.

Mit dem Votum gewinnen beide Kommunen zunächst einmal ein Schuljahr Zeit: Die Sekundarschule steht nicht unter dem Druck, im Frühjahr unbedingt die gesetzlich vorgeschriebenen Meldungen auch tatsächlich erreichen zu müssen. Die Europaschule, ohnehin Kooperationspartner für die künftige gymnasiale Oberstufe, behält weiter ihren komfortablen Status als Modell für eine Gemeinschaftsschule.

Erst vom Schuljahr 2018/19 wird's ernst. Dann könnte die Rettung für Alpen, so sieht's zumindest aus, in der Fusion mit der Europaschule liegen. Die würde dann, ein Jahr früher als ohnehin vorgesehen, von unten als Gesamtschule weitergeführt - mit Alpen als Teilstandort.

Alpens Bürgermeister Thomas Ahls dankte den Nachbarn für ihr Verständnis für die Schulnöte seiner Gemeinde und für die Bereitschaft, ihr zur Seite zu stehen, wenn die Sekundarschule allein nicht mehr existieren könne. Er machte aber auch deutlich, dass er "keine Fusion ohne Not" wolle. Die, so ließ er durchblicken, betrachtet er wegen der Demografie als "irgendwann unausweichlich".

Dagegen brachte sich Tilman Latzel deutlich in Position: "Wir sind weiter fest davon überzeugt, dass die Sekundarschule Bestand hat." Einschränkung: Es sei ihm "unverständlich, dass allein auf Anmeldezahlen geschaut wird". Nur wenn der Parameter unangetastet bliebe, sei der nachbarschaftliche Schulterschluss und die vorgezeichnete Fusion der einzig vernünftige Weg.

Da zieht am trüben Horizont unvermittelt und auf einem höchst ungewöhnlichen Weg ein Hoffnungsschimmer auf. Schulministerin Sylvia Löhrmann will nach Alpen kommen und sich das Dilemma der dörflichen Schule vor Ort erläutern lassen. Sascha van Beek, neuer CDU-Parteichef, hat, wie er auf Nachfrage bestätigt hat, die Ministerin auf Facebook eingeladen und ihr einen Link mit dem RP-Artikel geschickt, der seine Forderung darstellt, auch im Eingangsjahrgang zweizügige Sekundarschulen zu erlauben. Die Ministerin will kommen, habe sie gepostet. Löhrmann habe trotz eines randvollen Terminkalenders signalisiert, dass sich wohl ein Stündchen für Alpen finden lasse. Sollte sie Wort halten, so der CDU-Chef, wolle er alle anderen Fraktionen zum Treffen laden. "Schließlich geht's nicht um die Partei, sondern um Alpen", sagte van Beek.

Sprecher aller Fraktionen beider Kommunen lobten die "tolle Schule" in Alpen und sangen ein Loblied auf die Nachbarschaft. Nur Thomas Hommen, FDP-Chef in Alpen, stimmte nicht ein. Ihm wäre Alpen als drittes Standbein der Gesamtschule Xanten/Sonsbeck lieber.

Quelle: RP
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