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Alpen
Schulrettung wie aus dem Bilderbuch

Alpen. Die Sekundarschule schien verloren. Doch die CDU in Alpen ließ sich nicht entmutigen. Nun rückt die Rettung des eigenen Schulstandortes in greifbare Nähe. Von Bernfried Paus

Nur 41 Neue fürs noch junge Schuljahr, gerade mal 13 aus Alpen (7) und Veen (6) - bei 98 Viertklässlern an den drei örtlichen Grundschulen: Der Schock saß tief zu Beginn des Jahres. Die Sekundarschule stand vor dem Aus, die EuropaSchule in Rheinberg hatte bereits den Rettungsring ausgeworfen. Doch dann wählte NRW die alte Schulpolitik ab und eine neue Landesregierung. Und die hat, nicht zuletzt nach dem Ruf aus Alpen, ein Ohr für die Nöte der Sekundarschulen im Land. Seit Donnerstag gibt's wieder große Hoffnung. Die Bezirksregierung schickte die Nachricht ins Rathaus, dass die Eigenständigkeit der einzigen weiterführenden Schule in Alpen sicher ist. Einzige Bedingung: Sie muss im Frühjahr so viele Anmeldungen packen, dass es für zwei Klassen reicht (RP berichtete). Die Messlatte liegt mit 40 Schülern maßvoll hoch. Das sollte machbar sein.

Bürgermeister Thomas Ahls jedenfalls ist felsenfest davon überzeugt, dass die Hürde genommen wird. Er habe zahlreiche Gespräche mit Eltern geführt, deren Kind die Sekundarschule besucht. Die Rückmeldung sei eindeutig: "Die Schule leistet hervorragende Arbeit. Die Lehrer sind höchst engagiert, die Eltern sehr zufrieden." Das müsse nur in den Köpfen verankert werden. Noch gebe es in einigen Ortsteilen offenbar Vorbehalte gegen die Zentrale Alpen.

Der Bürgermeister hat Schulleitung, -verwaltung, Lehrer, Eltern, Parteien und zwischenzeitlich auch Schüler an einen Tisch geholt, um "Tacheles zu reden und gemeinsam zu überlegen, wie wir die Akzeptanz für die Schulform steigern können, die es zwischen den Schulen, die direkt zum Abitur führen, offenkundig schwer hat". Ahls erhofft sich Einigkeit in der Politik und geht davon aus, dass weitere "Störmanöver" wie zuletzt aus dem Lager der SPD ausbleiben. Der Rat werde in der Sitzung am Dienstag "ein klares Signal" für den Erhalt der eigenen Schule im Ort senden.

In der Folge werde er mit Unterstützung von Parteien und Eltern vor Ort dafür werben, dass Eltern durch Anmeldung an der Sekundarschule ihr Kind "pädagogisch in sehr gute Hände" geben und gleichzeitig dazu beitragen, dass Alpen eine eigene Schule behält. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, dass die Botschaft durch gemeinsame Überzeugungsarbeit ankommt.

Argumentativen Schub erwartet Schulleiter Tilman Latzel, wenn die Schule am Ende des Schuljahres ihre ersten 10er-Absolventen entlässt und damit das Leistungsvermögen auch messbar wird. Das ist fürs anstehende Anmeldeverfahren zwar zu spät, aber Überzeugungsarbeit mit viel Herzblut soll das wettmachen. "Wir haben noch ein bisschen Zeit", so Ahls.

Dass Erfolge auch in vermeintlich aussichtsloser Lage möglich sind, "wenn man den festen Willen dazu hat" - dafür ist der junge CDU-Partei-Chef Sascha van Beek ein beredter Zeuge. "Es ist noch kein Jahr her, dass ich für meine Überzeugung, dass die Sekundarschule für den ländlichen Raum alternativlos ist, Hohn und Spott geerntet habe", sagt er. Doch am Ende sei's gelungen, alle politischen Kräfte im Rat davon zu überzeugen. Eltern seien auf ihn zugekommen, um eine Strategie zum Erhalt der Sekundarschule zu entwickeln. "Nun haben wir es gemeinsam geschafft, der Schule eine Zukunft zu ermöglichen", so der ideenreiche Politiker, der eine "Bilderbuchgeschichte" erzählen kann.

In der Tat: Van Beek hat sich bei Ex-Schulministerin Sylvia Löhrmann erst eine Zu-, dann eine Absage eingehandelt und sich nicht entmutigen lassen. Dann hat er's mit seinem Kampf für eine kleine Sekundarschule vor der Landtagswahl ins Regierungsprogramm der NRW-CDU geschafft. Nach der erfolgreichen Wahl wurde van Beeks Forderung von Schwarz-Gelb im Koalitionsvertrag verankert. Bis sie in einem Gesetz verankert ist, wird's noch ein wenig dauern. Aber bis dahin gilt das vorläufige Okay für Alpen. "Mit der positiven Meldung der Bezirksregierung nimmt die märchenhafte Geschichte vorerst ein gutes Ende", so van Beek.

Quelle: RP
 
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