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Rheinberg
Schwarzfahrer von Strafe unbeeindruckt

Rheinberg: Schwarzfahrer von Strafe unbeeindruckt
Ausreden gelten nicht, sagt dieses Schild in den Zügen der Nordwestbahn: Schwarzfahrer müssen zahlen. Und zwar 60 statt wie zuvor 40 Euro. Abschreckende Wirkung hat die höhere Strafe aber offenbar nicht. FOTO: Latzel
Rheinberg. Fürs Fahren ohne Ticket werden jetzt 60 Euro fällig, nicht mehr 40. Nordwestbahn und Niag haben auf den Strecken aber weiterhin damit zu kämpfen. Im "Niederrheiner" fahren seit Juli oft zwei Mitarbeiter im Zug mit. Von Sebastian Latzel

Ein Jahr ist es her, dass Schwarzfahrer stärker zur Kasse gebeten werden. Statt 40 Euro sind jetzt 60 Euro Strafe fällig, wenn jemand ohne Ticket in Bus oder Bahn erwischt wird. "Erhöhtes Beförderungsentgelt" (EBE) heißt die Strafe im Behördendeutsch. Dass die Geldbuße um satte 50 Prozent erhöht wurde, scheint freilich wenig abschreckende Wirkung zu haben. Eine Untersuchung im Ruhrgebiet hat gezeigt, dass die Zahl der Schwarzfahrer nicht gesunken ist. Im Gegenteil haben dort die Dortmunder Stadtwerke angekündigt, mehr Präsenz in ihren Fahrzeugen zu zeigen und verstärkt zu kontrollieren.

Auch bei der Nordwestbahn hat Sprecher Maik Seete den Eindruck, dass die 60 Euro potenzielle Schwarzfahrer nicht abschrecken. Die Zahl bleibe weiterhin konstant. Direkt verstärkte Kontrollen gebe es nicht. Gleichwohl ist die Zahl der Mitarbeiter im Zug seit Juli erhöht worden. "Bei ausgewählten Fahrten sind die Servicemitarbeiter seitdem zu zweit in den Zügen unterwegs", sagt Seete. Hintergrund sei, dass man den Kundenservice verbessern wolle und gleichzeitig dem verstärkten Wunsch nach Sicherheit im Zug Rechnung trage. Natürlich könne dann auch mehr kontrolliert werden. "Die Aufgabe der Mitarbeiter ist aber nicht in erster Linie, Schwarzfahrer aufzuspüren", sagt er. Auch wenn die 60 Euro kaum Wirkung gezeigt haben, findet Maik Seete es richtig, dass das Bußgeld erhöht wurde. "Denn das ist auch ein Signal an die ehrlichen Fahrgäste." Schließlich würden auch immer mal wieder die Ticketpreise erhöht, da könne es nicht sein, dass die Gebühr fürs Schwarzfahren nicht angepasst werde.

Wer im "Niederrheiner" ohne Fahrschein erwischt wird, bekommt einen Bescheid über das EBE und die Möglichkeit, das Geld zu überweisen. "Wir werfen niemanden aus dem Zug", sagt Seete. Das bedeutet im Klartext, dass jeder erst einmal weiterfahren kann. Das Geld soll später überwiesen werden. Wer nicht zahlt, dem droht sogar ein Strafantrag. Den behalte man sich ohnehin immer vor, etwa wenn Tickets gezielt gefälscht werden oder es Missbrauch gibt. Etwa wenn falsche Personen mit einem Semesterticket fahren.

Dass Schwarzfahrer nicht gerade begeistert sind, wenn sie erwischt werden, wird niemanden verwundern. "Es kommt da immer wieder zu kritischen Situationen und auch zu Auseinandersetzungen mit unserem Personal", sagt Seete. Das sei aber geschult, mit solchen Situationen umzugehen. In der Regel könne die Angelegenheit dann immer friedlich gelöst werden.

Ein allgemeiner Trend bestätigt sich auch beim "Niederrheiner". Die Quote der Schwarzfahrer im Zug ist höher als im Bus. "Ganz einfach, weil da bereits die Kontrolle beim Einstieg erfolgt", sagt Maik Seete. Beim Busunternehmen Niag hat man im Gegensatz zum Bahnunternehmen zumindest eine kleine Besserung durch die Erhöhung der Strafe auf 60 Euro registriert. "Die Schwarzfahrerquote ist bei uns dadurch um 0,4 Prozentpunkte auf zwei Prozent gefallen", sagt Niag-Sprecherin Beate Kronen. Das habe allerdings sicher auch an dem Umstand gelegen, dass nach der Erhöhung verstärkt kontrolliert worden sei.

Quelle: RP
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