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Rheinberg
Serien-Autoknacker ist ein Rheinberger

Rheinberg. Nach Hunderten Einbrüchen in Moers seit Mitte September kann die Polizei einen Erfolg melden. Ein 36-Jähriger soll für unglaubliche 197 Pkw-Einbrüche verantwortlich sein. Der Mann finanzierte damit seine Drogensucht. Von Kilian Treß

Die Moerser Autobesitzer können endlich aufatmen: Wie die Polizei gestern gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft mitteilte, hat sie den vermeintlichen Pkw-Einbrecher, der zuletzt die Moerser Straßen unsicher gemacht hat, festgenommen. "Der Mann hat bei seiner Vorführung vor dem Richter drei der Einbrüche gestanden", sagt der Leiter der Kriminaldirektion im Kreis Wesel, Roland Wolff. Der Richter erließ Haftbefehl gegen den wegen verschiedener Kfz- und Körperverletzungs-Delikte polizeibekannten Mann. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. Seine Taten werden von der Polizei und der Staatsanwaltschaft ermittelt - ehe es zum Prozess kommt, werden aber mit großer Wahrscheinlichkeit mehrere Monate vergehen. "Wir sind uns aber sicher, dass die Einbruchsserie jetzt gestoppt ist", sagt Wolff.

Der Tatverdächtige wird von der Polizei für insgesamt 197 Pkw-Einbrüche in der erweiterten Moerser Innenstadt seit dem 19. September verantwortlich gemacht. Zusammengerechnet könnte sich der Sachschaden auf eine sechsstellige Summe belaufen. Alle Einbrüche waren nach Polizeiermittlungen nach demselben Schema verlaufen.

Immer wurden die Seitenscheiben in der gleichen Art und Weise eingeschlagen, immer wieder wurde teils nur kleine Beute gemacht - überwiegend hatte es der Täter auf Kleingeld, Pfandflaschen, Werkzeug, Portemonnaies und Kleidungsstücke abgesehen. Schon vor einigen Wochen hatte die Polizei den Verdacht, dass es sich bei der Einbruchsserie nicht um professionelle Banden handeln könnte, sondern um einen Einzeltäter - womöglich um einen Drogensüchtigen, der mit der teils geringen Beute versucht, seinen Rauschgiftkonsum zu finanzieren.

Dieser Verdacht hat sich nun bestätigt. Tatsächlich handelt es sich um einen heroinabhängigen Mann. Der 36-Jährige ist Deutsch-Russe, in Rheinberg gemeldet, wohnt aber seit etwa zwei Monaten ohne Obdach in der Moerser Innenstadt. "Hin und wieder ist er bei Bekannten untergekommen ", sagt Kriminaldirektor Wolf. Das Rauschgift habe er in Moers bezogen. Seine Beutezüge unternahm der Mann offenbar immer wieder mit stets zuvor ebenfalls gestohlenen Fahrrädern. Bei der Suche nach dem Mann hatte die Polizei mehrfach die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. Da sich die Einbrüche zu völlig unterschiedlichen Zeiten ereigneten, war es schwer, den Tatverdächtigen dingfest zu machen.

Zum Verhängnis wurde dem Mann dann eine Tat am vergangenen Mittwoch gegen 10.30 Uhr. Eine Anwohnerin hatte den Mann zuvor an der Ecke Berg- und Ottostraße im Moerser Stadtteil Asberg beobachtet, als er sich einem Ford Focus näherte. Die Zeugin sah, dass der Unbekannte mit einem Fahrrad unterwegs war und einen Rucksack in der Nähe des Wagens deponierte. Dies habe sie stutzig gemacht. Daher alarmierte sie die Polizei.

Die Beamten, die in den vergangenen zwei Wochen ihre Bemühungen in der Innenstadt mit Streifen- und Zivilpolizei verstärkt hatten, umstellten den Tatort und fassten den Mann. Ein Fluchtversuch scheiterte. Bei ihm fanden die Beamten Aufbruch-Werkzeug und Diebesgut.

Für das Aufgreifen des Mannes erhält die Polizei aus der Politik viel Lob. "Das ist super Polizeiarbeit", sagt der Moerser SPD-Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim. Trotzdem hofft er weiterhin, dass die von allen Parteien im Wahlkampf geforderten zusätzlichen Polizisten kommen. "Wenn wir wieder mehr Bezirksbeamte in den Stadtteilen einsetzen können, schreckt das Diebe ab." Auch der Moerser CDU-Fraktionsvorsitzende Ingo Brohl lobt: "Der Fahndungserfolg bestätigt, dass wir bei der Kriminalpolizei im Kreis gute Strukturen haben."

Quelle: RP
 
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