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Rheinberg
Spielerisch perfekt und ganz ohne Schnörkel

Rheinberg: Spielerisch perfekt und ganz ohne Schnörkel
Das Aris-Streichquartett brillierte auf der Bühne der Rheinberger Stadthalle zusammen mit dem renommierten Klarinettisten Thorsten Johanns. Die Musikalische Gesellschaft hatte eingeladen. FOTO: Herbert Mertens
Rheinberg. Das Streichquartett Aris gastierte zusammen mit dem renommierten Klarinettisten Thorsten Johanns in der Rheinberger Stadthalle. Von Udo Spelleken

Vormittags noch in einem Konzert in Andernach, gastierte das Aris Quartett am Abend zusammen mit der Klarinettisten Thorsten Johanns in der gut besetzten Stadthalle. Anna Katharina Wildermuth (Violine), Noémi Zipperling (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello) spielten Streichquartette von Haydn und Widmann sowie das Quintett für Klarinette KV 581 von Wolfgang Amadeus Mozart.

Das 2009 gegründete Ensemble schaffte es in Joseph Haydns "Reiter-Quartett" spielerisch perfekt gearbeitete Quartettkultur ohne Sentiment und Schnörkel zu präsentieren. Die Violinistinnen Anna Katharina Wildermuth, Primaria des Aris Quartetts, spielte eine Violine des berühmten Mailänder Geigenbaumeisters Pietro Antonio Landolfi aus dem Jahre 1760, die dem Aris Quartett aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt wurde.

Gemeinsam mit Noémi Zipperling überzeugten sie mit hellem und klarem Ton. Caspar Vinzens lieferte auf seiner Viola eine solide Mittelstimme, während der Cellist Lukas Sieber einen sehr warmen Celloton offenbarte. Alle vier phrasierten trocken und knapp, waren nie ruppig im Klang. Sie erreichten damit, dass die Sätze absolut durchhörbar und die verschiedenen Schichten der Kompositionen deutlich wurden. Wie in keinem anderen Quartett erzielte Haydn durch Chromatik die unterschiedlichsten klangfarblichen Effekte. Die Wahl der Tempi war meist beschwingt, so dass das Streichquartett einen tänzerischen Grundcharakter bekam. Langsame Sätze wie das eingeschobene "Largo" gelangen mit gut geführtem Atem und viel Sinn für instrumentalen Gesang.

Spektakulär ging es weiter mit Jörg Widmanns "Jagd-Quartett" aus dem Jahre 2003. Lukas Sieber gab einige Erläuterungen zu dem "grimmigen", einsätzigen Scherzo, in dem Jagdgeräusche, Tierstimmen und allerlei neuartige Klänge auf den Streichinstrumenten zu hören waren. "Mehr Musiktheater als Musikstück" bezeichnete er die wilde Jagd, in der die Musiker zu Jägern und Gejagten wurden. "Die Töne beginnen krank zu werden", erklärte der Komponist einmal den Verlauf seiner geräuschlastigen, unangenehmen Atmosphäre mit dissonanten Verschwörungen, Geschrei im Treibjagdstil und einem martialischen Ende. Ein Highlight für Freunde der modernen Klassik.

In Mozarts Quintett für Klarinette und Streichquartett A-Dur KV 581 bestach das Zusammenspiel der fünf Musiker mit einer besonderen Qualität des aufeinander Eingehens. Es war ein einvernehmliches Miteinander in produktiven Spannungen. Einheit in der Vielfalt kennzeichnete den Klang. Deutlich traten die Stimmen hervor und fügten sich zusammen. Die Musik verströmte tröstende Milde, doch Ausdrucksschärfen wurden vom Ensemble nicht unter den Teppich gekehrt. Es war ein musikalischer Hochgenuss, wie er eher selten zu hören ist. Das wusste das überwiegend fachkundige Publikum mit viel Applaus zu schätzen.

Quelle: RP
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