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Rheinberg
Sprachlicher Aufstand mit Nils Heinrich

Rheinberg. Der Kabarettist kam nach anfänglichen Schwierigkeiten mit seinem Vortrag im Adler gut an. Von Alexander Florié-Albrecht

Wenn ein Künstler und sein Publikum gleichermaßen zufrieden sind, kann der Abend nicht schlecht gewesen sein. "Das ist erst mein zweiter Auftritt mit dem Programm nach der Premiere", gestand Nils Heinrich am Ende seines gut zweistündigen Vortrags vor den Gästen im "Schwarzen Adler".

So wie er auftritt, kann man ihm den Titel des Programms "Nils Heinrich . . . probt den Aufstand" kaum so richtig abkaufen. Ruhig, ganz normal, ohne theatralische Gestik und Show kommt der gebürtige Sangerhausener aus. Fast fatalistisch postuliert er zu Beginn: "Ich interessiere mich nicht mehr für Politik, weil ich beim Anblick der Hackfressen nur Pickel krieg'" und: "Dieses Land wird von der Autoindustrie regiert." Das mit dem "Aufstand" erscheint da schwierig: "Ich geh' nicht mehr demonstrieren, ich muss immer allein los, keiner will mit mir marschieren." Sein "Aufstand" ist vielmehr einer der Sprache und zielt auf die Entkleidung der Realität. Berlin bezeichnete er als "großen offenen Vollzug" und Ort für "Katastrophentourismus".

Der Preisträger des "Schwarzen Schafs" 2010 machte sich über die Islam-Debatte lustig ("An geraden Tagen gehört er dazu, an ungeraden nicht") und spottete bissig: "Olivenöl - gehört das zu Deutschland? Wenn man es über eine deutsche Salatgurke kippt, ja. Wenn man es über Rucola schüttet, nein!" Auf jeden Fall Deutschland: langsames Internet, Funklöcher, Stau zu Ostern, leerstehende Innenstädte.

Heinrich beklagt den Fachkräftemangel mit den Liedzeilen wie "Klempner ist der neue Trabi, der Handwerker steht erst bereit nach 18 Jahren Wartezeit." Und: "Sterbehilfe ist bekannt als Landarztmangel auf dem Land." Und er zog über "zeitgemäße Debatten 2018" über Hartz IV oder Abtreibungen her und nannte Gesundheitsminister Jens Spahn den "Timm Thaler der CDU, der sein Lächeln behalten, aber sein Herz gegen eine Lehre als Bankkaufmann eingetauscht" hat.

Menschen haben nach Meinung von Heinrich keine Herausforderungen mehr, sie haben nur noch "Schnodder oder Pastinakekotze" der Kinder als Thema. Das Aufbegehren der jungen Generationen bleibe aus: "Wenn der Enkel Andrea Berg hört, bleibt dem Opa nur die Flucht nach Wacken."

Einzige "kleine Rebellion" sei, beim Bäcker "Zimpfuffi" zu bestellen, obwohl er nicht mal wisse, was das ist: "Das ist ein freies Land, hier gibt's keine Pogrome, da darf ich das sagen. Dafür werd' ich nicht abgeholt." Eine Spitze gegen AfD-Mann Gauland gönnte er sich: "Ich will das Land meiner Väter zurück - warum sagt er das im Plural ?"

Im ersten Teil hatte Heinrich noch etwas Mühe, reinzukommen. Gegen Ende steigerte er sich und die Zahl der Lacher. "Frohe Ostern - und tschüss", wünschte er allen eine schöne Zeit.

Quelle: RP
 
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