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Rheinberg
St. Peter streitet mit Versicherungen

Rheinberg. Der Wassereinbruch in der Rheinberger Kirche im vergangenen Jahr hat zu einem immensen Schaden geführt. Bei den Dacharbeiten waren poröse Folien benutzt worden. Dechant Schmitz: "Wir haben keine andere Chance als zu klagen." Von Uwe Plien

Die gute Nachricht zuerst: Die umfangreiche Sanierung des Kirchendachs von St. Peter ist weitgehend abgeschlossen. Und die Nachfinanzierung sei geregelt, wie Wolfgang Schmitz, Pfarrer von St. Peter und Dechant, versichert. Das komplette Schieferdach samt Unterbau ist im vergangenen Jahr erneuert worden. "Was wir vorher nicht wissen konnten: Die Dachstühle über den Seitenschiffen waren marode und mussten komplett ausgetauscht werden", so Wolfgang Schmitz.

Noch etwas stellte sich bei den Arbeiten heraus: Die Elektroinstallation in der Kirche hatte es bitter nötig. "Sie stammt im Wesentlichen aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und ist später immer mal wieder überarbeitet worden", berichtet der Dechant. Teilweise seien die Stoffummantelungen verfault gewesen, so dass Drähte mitunter frei lagen.

Insgesamt ist die Sanierung der Kirche jetzt erheblich teurer geworden: Statt der ursprünglich angesetzten 1,24 Millionen Euro liegen die Kosten jetzt bei 1,45 Millionen. "Aber", so Schmitz, "wir haben alles geregelt."

Unklar ist unterdessen, welche Folgen der Wasserschaden mit sich bringt, der Ende vergangenen Jahres in der Kirche festgestellt worden war (die RP berichtete). Schmitz: "Fest steht inzwischen die Ursache für den Wassereinbruch: Bei den Dacharbeiten sind poröse Folien verwendet worden. Unklar ist allerdings, wer dafür die Verantwortung trägt." Über Wochen sei Feuchtigkeit in den Kirchraum, insbesondere in die Gewölbe, eingedrungen. Der Schaden wurde erst Wochen später festgestellt.

Dechant Schmitz: "Hinzu kommt, dass bei Säuberungen auf dem Dach über der Sakristei vergessen wurde, eine Tür zu schließen. Dadurch ist jede Menge Staub in die Kirche eingedrungen." Die Mischung aus Feuchtigkeit und Staub sei ein idealer Nährboden für Schimmel gewesen. Als dann ein Wassereinbruch in der Taufkapelle hinzukam, sei der Schimmelbefall förmlich explodiert. Zum Glück hätten Fachleute festgestellt, dass der Schimmel nicht gesundheitsschädlich sei, so dass die Kirche relativ schnell wieder habe genutzt werden können.

Für die Kirchenorgel gilt das nicht: Auf ihr durfte Organist Christoph Bartsek schon zu Weihnachten nicht spielen, und nach wie vor gilt für die Königin der Instrumente: "Spielen verboten!" Die Gefahr, dass das Ansaugen der Luft den Staub aufwirbele und dadurch Spuren verwischt würden, sei zu groß, erläutert Schmitz. Vorerst darf in der Kirche noch nichts gereinigt werden. Er hofft allerdings, dass die Orgel bald wieder bespielt werden darf: "Wir waren auf das Ergebnis eines Gutachtens."

Sauer ist Wolfgang Schmitz auf die Versicherungen, die nicht zahlen wollen. "Es geht um mehrere Versicherungen der von uns beauftragten Handwerksunternehmen", so der Pfarrer. "Es steht fest, dass wir als Kirchengemeinde nicht schuld sind, dennoch weigern sich die Versicherungen zu bezahlen. Wir haben eigentlich keine andere Chance, als gegen die Versicherungen zu klagen." Gespräche seien erfolglos geblieben, weshalb St. Peter nun eine Rechtsanwältin aus Mülheim eingeschaltet habe.

Die bisher bekannte Schadenshöhe bezifferte Schmitz auf rund 160.000 Euro. Dazu kommen die Kosten für den Anstrich der Gewölbe und die Einlagerung der Wertgegenstände: Tafelsilber, Altarfiguren, Skulpturen sowie historische Messgewänder seien in Restaurationswerkstätten sicher untergebracht worden, um sie vor Schimmel zu schützen. "Das kostet natürlich auch Geld", so Schmitz. Er hofft auf die Einsicht der Versicherungen.

Quelle: RP
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