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Rheinberg
Stadt zahlt weiter für die "Startchancen"

Rheinberg. Das Angebot des Awo-Kreisverbandes Wesel richtet sich an Mütter von Kindern bis zu drei Jahren und auch an werdende Mütter. Es geht um unbürokratische Hilfen für Eltern, die sich überfordert fühlen. Von Uwe Plien

Die Stadt Rheinberg gibt den "Startchancen" auch in diesem Jahr eine Chance. Konkret: Die Stadt beteiligt sich im Jahr 2018 mit voraussichtlich 11.430 Euro an den Kosten. Das hat der Rat beschlossen, die Mittel stehen im Haushalt bereit.

Bei den "Startchancen " der Awo handelt es sich um eine Unterstützung, die eine Sozialpädagogin Familien mit Kindern von bis zu drei Jahren anbietet. Auch schwangere Frauen gehören zur Zielgruppe. In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses gaben Lucia von Harten und Barbara Schwanitz vom Awo-Kreisverband Einblicke in die Arbeit. Die "Geburtsstunde" der "Startchancen" sei der dramatische Fall des kleinen Kevin in Bremen gewesen, erzählte die Frauen. Das Kind wurde vor rund elf Jahren tot in einem Kühlschrank gefunden. Das Jugendamt hatte die Vormundschaft für das Kind, hatte sich aber nicht gekümmert. Der Fall schockierte damals ganz Deutschland.

Seither werden zahlreiche Vorkehrungen getroffen, um Ähnliches zu verhindern. "Das Angebot ist freiwillig", sagte Lucia von Harten. "Es steht kein Hilfeplan, kein Jugendamt dahinter." Die Awo-Fachfrauen besuchen die Mütter und werdenden Mütter überwiegend zu Hause und unterliegen der Schweigepflicht. Wenn es gewünscht wird, begleiten sie die Frauen auch bei Arztbesuchen. Das Starchancen-Team arbeitet mit dem Kreis Wesel und auch mit Hebammen zusammen. Von Harten und Schwanitz sprechen von einer "niederschwelligen Beratung". Familien, die weitergehende Hilfe haben, bringe man in Kontakt mit dem zuständigen Jugendamt. In Kontakt kommen die Awo-Beraterinnen mit den Müttern durch Mund-zu-Mund-Propaganda, in Einzelfällen auch durch das Internet, durch Gesundheitshilfen, Berufsschulen oder Kindergärten. Meistens sind die Mütter bereit, die Awo-Sozialpädagoginnen zu Hause zu empfangen. "Es geht um Schutz vor Überforderung", sagte Barbara Schwanitz. "Ideal ist, wenn jemand aus der Gesundheitsbildung dabei ist. Denn wir können ja nicht sehen, ob ein Kind etwa ausgetrocknet oder unterernährt ist."

Die "Startchancen" sind im Rheinberger Elternbegleitordner (FIBL= Familien Informations BLätter) verankert. Eltern können nach dem Willkommensbesuch direkt mit der zuständigen Sozialarbeiterin Kontakt aufnehmen oder aber beim Willkommensbesuch mit Einverständnis dorthin weitergeleitet werden. Die Gründe für die Nutzung dieses Angebotes sind ganz unterschiedlich. So werden Hilfen bei Antragstellung, Behördengängen, Beratung im Hinblick auf die Entwicklung oder Versorgung des Kindes und so weiter in Anspruch genommen. Dabei ist ein sehr wichtiger Punkt, dass diese Unterstützung nicht an das Jugendamt gebunden ist. Eltern zeigen daher eine geringere Hemmschwelle. Die Hilfe erfolgt anonym und kostenlos, was für Familien mit geringem Einkommen auch einen wichtigen Aspekt darstellt.

Ansprechpartnerin für die Awo-Startchancen in Xanten, Alpen, Sonsbeck und Rheinberg ist Liz van Schyndel, sie ist erreichbar unter Telefon 02801 9885462 oder per Mail unter x.startchancen@awo-kv-wesel.de

Quelle: RP
 
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