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Rheinberg
Tanz um die städtische Musikschule

Rheinberg: Tanz um die städtische Musikschule
Die Städtische Musikschule Rheinberg engagierte sich auch in Sachen Tanz. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Die Freie Musikschule Rosenberger-Pügner hat sich noch nicht entschieden, ob sie in die Alte Kellnerei am Innenwall umziehen will. Unklar ist auch, was aus den aus Stiftungsgeldern geförderten Musikprogrammen für Kinder wird. Von Uwe Plien

Die städtische Musikschule ist Geschichte. Abgewickelt, aufgelöst, dem Haushaltssicherungskonzept zum Opfer gefallen. Als dieses Konzept 2013 aufgestellt wurde, hat die Stadt die Musikschule als Einsparmaßnahme hineingeschrieben. Ernsthafte Bemühungen, sie wieder herauszunehmen, hat es nicht gegeben.

Mit der Freien Musikschule Rosenberger-Pügner gibt es aber nach wie vor eine leistungsfähige, privat geführte Musikschule in der Stadt. 1981 von Delia Rosenberger-Pügner und Ingo Pügner in Rumeln-Kaldenhausen gegründet, seit 1994 zusätzlich in Rheinberg, seit 2002 im ehemaligen DRK-Haus an der Lützenhofstraße 9a untergebracht. 13 Lehrer unterrichten dort derzeit 200 Schüler im Alter zwischen drei Monaten und 65 Jahren. Man könnte sagen: Der Laden läuft.

Rosenberger-Pügner wurden ungewollt in die Diskussion um das Aus für die städtische Musikschule gezogen - als möglicher Nachmieter in der Alten Kellnerei, wo bisher die Schule der Stadt ihren Sitz hatte. "Als wir aus der Presse erfahren haben, dass die städtische Musikschule geschlossen werden soll, konnten wir uns durchaus vorstellen, als Nachfolger in die Alte Kellnerei einzuziehen ", erzählt Lisa Pügner. Die 32-Jährige schlüpft nach und nach in die Rolle ihrer Eltern als Musikschulleiterin.

Danach sei allerdings gar nichts mehr klar gewesen, machte auch Ingo Pügner deutlich. Zunächst habe die Kulturbüroleiterin suggeriert, dass die Freie Musikschule kein Interesse daran habe, in die Alte Kellnerei umziehen. In der Sitzung des Kulturausschusses im November sei dann der gegenteilige Eindruck vermittelt worden. "Wir waren überrascht, wie die politische Diskussion gelaufen ist", so Lisa Pügner. "Es herrschte ein einziges Durcheinander. Dabei hatten und haben wir überhaupt kein Interesse, zwischen die Fronten zu geraten. Wir hätten gut weiter mit der städtischen Musikschule leben können. Aber wir wollten uns der Diskussion mit der Stadt nicht verschließen. Schließlich sind wir auch an der Lützenhofstraße Mieter der Stadt."

Zu Anfang der städtischen Planung hätten sich Rosenberger-Pügner ein "Gesamtpaket" gut vorstellen können. Lisa Pügner: "Damals hatte die städtische Musikschule noch 350 Schüler. Es wäre interessant für uns gewesen, Schüler, Lehrer und auch die Räume zu übernehmen. Aber man hat nicht mit uns gesprochen. Jetzt, zum Schluss, sind nur noch 20 Kinder zum Unterricht in die Alte Kellnerei gegangen."

In den vergangenen Monaten habe Bürgermeister Frank Tatzel die Gespräche geführt. Sehr engagiert und konstruktiv, wie Lisa Pügner und ihr Vater hervorhoben. Es sei auch über die Möglichkeit gesprochen worden, in die Alte Kellnerei zu gehen. "Wir kennen das Gebäude gut", so Ingo Pügner. "Wir waren ja schon von 1994 bis 2002 mit der Musikschule in diesem Haus."

Lisa Pügner schwärmte von einem "wunderschönen Gebäude", das leider "total unpraktisch" sei. "Wir haben die beiden Häuser miteinander verglichen. An der Lützenhofstraße passt eigentlich alles, allerdings ist man dort etwas weit ab vom Schuss. Die Alte Kellnerei ist repräsentativ, dort stellt sich aber die Frage der Parkplätze und der dort zur Verfügung stehenden Räume. Beide Häuser haben Vor- und Nachteile."

Zwischenzeitlich haben die Pügners der Stadt ein Anforderungsprofil zukommen lassen. Allerdings hat die Stadt bisher noch keine konkreten Angaben zur Alten Kellnerei gemacht: keine genauen Quadratmeterzahlen, keine Preise, nichts zu Nebenkosten. Trotz dieser unbefriedigenden Situation könne man sich eine Einigung vorstellen. Lisa Pügner: "Wir sind in einer komischen Situation."

Zumal auch die Frage ungeklärt ist, was mit den aus Stiftungsgeldern geförderten Programmen Jeki ("Jedem Kind ein Instrument") und JeKits ("Jedem Kind Instrumente, Singen, Tanzen") wird. Beide lagen bisher bei der städtischen Musikschule und richten sich an Grundschulkinder. Jeki endet in einem Jahr und soll bis dahin bei der Stadt bleiben. JeKits, so der Wunsch der Stadt, könnte über Rosenberger-Pügner fortgeführt werden. Lisa Pügner: "Dazu muss es aber ein Konzept, muss es Ansprechpartner an den Grundschulen geben. Und wir wollen wissen, wie die Zahlen für JeKits sind, wie viele Kinder mitmachen."

In Rheinberg nehmen offenbar von drei Grundschulen gerade einmal 16 Jungen und Mädchen das Angebot wahr. Lisa Pügner: "Das ist viel zu wenig. In anderen Städten sind es 30 pro Schule. Auch diese Frage ist ungeklärt."

Quelle: RP
 
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