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Alpen
Top an Schnittstelle von Schule und Beruf

Alpen: Top an Schnittstelle von Schule und Beruf
Sie feiern Jubiläum (vorne v.l.): Agatha Katula (Personalabteilung Lemken), Hermann Terboven (Leiter Hauptschule), Wolfgang Püschel (Betreuungslehrer für den Übergang Schule/Beruf), Tilmann Latzel (Leiter Sekundarschule), hinten: Willi Schmitz (Ausbilder Lemken) und Christel Bühren (Personalchefin bei Lemken) FOTO: Fischer, Armin (arfi)
Alpen. Seit 15 Jahren arbeiten die Firma Lemken und die Hauptschule erfolgreich zusammen. Davon profitieren beide Partner. Von Bernfried Paus

Eigentlich war's das jährlich wiederkehrende Arbeitstreffen in der Hauptschule, zu dem Ausbilder und Personaler der Firma Lemken eingeladen waren - um Termine abzustimmen. Doch es lag ein Schuss feierlicher Melancholie im Raum. Vor fast genau 15 Jahren hatten Hauptschule und der Spezialist für Agrartechnik in einem feierlichen Akt eine recht ertragreiche Patenschaft begründet - mit Gewinn für beide Seiten.

Hermann Terboven, kommissarischer Leiter der Hauptschule und über Jahre pädagogischer Begleiter der Patenschaft, hatte am Abend zuvor noch eilig am Computer das Patenschaftmodell als Werkstück gezeichnet und in Styropor geschnitten: "15 Jahre Patenschaft - Lemken und Hauptschule Alpen", Firmen-Signet inklusive.

Eine gedeihliche Verbindung, die längst weit über die anfänglichen Betriebsbesichtigungen hinausgeht. Jährlich haben zwei bis vier Hauptschüler bei Lemken eine Ausbildungsstelle bekommen - vor der Haustür sozusagen. Das Unternehmen sicherte sich so qualifizierten, vor allem bodenständigen Nachwuchs.

Die langjährige Partnerschaft zwischen Schule und Betrieb ist eine Geschichte voller Höhepunkte. Das 2003 von Schülern und Azubis gestaltete "Graffiti in der Fabrik" in den Ausmaßen drei mal neun Meter schmückt heute noch eine Wand im Betrieb. Das Kunstwerk ist damals von der Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit 5000 Mark belohnt worden.

Die IHK hat zwei filmische Dokumentationen der Schüler ausgezeichnet. Einmal haben sie mit der Kamera den Weg vom Halbzeug bis zum fertigen Produkt - also vom Rohstahl bis zum Pflug - nachgezeichnet. Außerdem haben Schüler Lehrlinge auf dem Ausbildungsweg zum Industrie- und Zerspanungsmechaniker über ein Jahr lang begleitet. Die Power-Point-Präsentation davon war eine wichtige Orientierungshilfe für nachfolgende Schulabgänger bei der Berufswahl.

Auch bei der Aktion "Jugend forscht" hat sich die Verbindung Hauptschule/Lemken als fruchtbar erwiesen. Das Projekt "CAD-Cam" hat für Furore gesorgt. Schüler haben am Rechner Werkstücke gezeichnet, in Styropor ausgeschnitten - wie es jetzt Lehrer Hermann Terboven getan hat-, die sie mit Hilfe von Azubis in der Lemken-Werkstatt an der CAD-Maschine gedreht haben.

Preigekrönt auch die Umfrage unter 863 ehemaligen Hauptschülern, die eindrucksvoll belegt, dass die Behauptung, Hauptschule qualifiziere für eine Hartz-IV-Karriere, eine Mär ist. Das Gegenteil ist richtig: Hauptschüler fassen Fuß in Wirtschaft und Beruf, sind im gesellschaftlichen Leben, beispielsweise unverzichtbare Akteure in Vereinen und wie eben auch bei Lemken. Unvergessen ist der Tag, an dem Alpener Hauptschüler als einzige Vertreter aus NRW im thüringischen Gera Schulleitern und Wirtschaftsvertretern die Vorzüge der Patenschaft mit Lemken erläutert haben. Das alles war die Kür.

Basis des Erfolges war aber eher die alltägliche Zusammenarbeit: die Schüler-Praktika, die Bewerbungstrainings oder die Info-Abende für Eltern der 8er und 9er, damit sie ein Bild davon bekommen, was die Wirtschaft von ihren Zöglingen erwartet. Im Gegenzug, "auch um etwas zurückzuzahlen", hat die Schule Lemken-Mitarbeiter beispielsweise über Fallstricke der neuen deutschen Rechtschreibung hinweg geholfen oder fit gemacht im Umgang mit neueren Computer-Programmen.

Nun also wurde die nächste Runde besprochen. Erstmals am Tisch: Tilman Latzel, Leiter der Sekundarschule. Bekanntlich läuft die Hauptschule aus. Die Sekundarschule will den erfolgreichen Weg praktischer Berufsorientierung ohne Bruch weitergehen: Die Freundschaft mit der Hauptschule ist bald nur noch gute Erinnerung, auch wenn das hübsche Styropor-Modell, das Hermann Terboven ausgeschnitten hat, keine lange Lebensdauer haben dürfte - es sei denn, es wird an der CAD-Maschine in Stahl gedreht.

Quelle: RP
 
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