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Alpen
Unterm Kirchturm - wo Kanzeln niedriger sind als der Verstand

Alpen. "Nix für Feiglinge": Kabarettistin Sabine Henke unterhielt bei der kfd St. Ulrich rund 150 Frauen im Pfarrheim prächtig. Von Erwin Kohl

"Ich möchte, dass die Leute über ihr Gemeindeleben lachen können und dafür bietet mir die Kirche immer reichlich Stoff", sagt Sabine Henke. Auf Einladung der kfd St. Ulrich war die Kabarettistin mit ihrem aktuellen Programm "Nix für Feiglinge" zu Gast im Pfarrheim.

Bevor sich die Dortmunderin auf herrlich zynische Weise dem Geschehen rund um die Kirchtürme widmete, präsentierte sie den rund 120 Zuschauern einen pointierten Blick in die Politik. "Wir schaffen das ist zum Mantra der Kanzlerin geworden. Sie lenkt uns mit der ruhigen Raute der Demokratie." Bei der Vorratsdatenspeicherung und dem Ausspähen privater Nachrichten sei den USA weit voraus. Das verdeutliche die Kabarettistin am Beispiel ihrer in Chicago lebenden Schwester, die mit schmerzendem Rücken den Garten nicht mehr umgraben kann: Da hab ihr Sohn ihr eine Mail geschickt: "Garten nicht umgraben, die Sache liegt dort." Fünf Minuten später seien NSA, FBI und CSI angerückt und hätten den Job übernommen."

Danach schlüpfte Sabine Henke ins Dirndl der bayrischen Protestantin Maria Kirchmeier. Nachdem die Kinder groß und der Mann aus dem Haus war, brachte sie sich ins Gemeindeleben ein, was rund um Rosenheim nicht ganz so leicht ist. "Ist die Kanzel niedriger als der Verstand - herzlich willkommen im bayrischen Oberland", lautete ihre erste Erkenntnis.

Daneben bot die gelernte Gemeindepädagogin auch nützliche Tipps, wie Frau sich gegen den Pastor behaupten kann: "Ich frage dann immer: Wer war denn zuerst am Grab?" Schadenfreude überkam Sabine Henke alias Maria Kirchmeier, als der ungeliebte Pfarrer Bierbichler versetzt wurde: "Der macht jetzt Religionsunterricht in der Berufsschule. Das gönne ich ihm, dagegen ist Konfirmandenunterricht ein Ponyhof."

Sabine Henke ist es wichtig, dass sich die Menschen im Programm wiederfinden, auch wenn sie überspitzt und klischeehaft formuliert ist. Zum Beispiel bei der "Handarbeitsgruppe Kreuzstich", die mit ihren Basaren maßgeblich für die Sockelfinanzierung der Kirchengemeinde verantwortlich ist. "Unser Renner sind seit Jahren handgeklöppelte Klorollenhüllen. Dazu gibt es eine Typberatung. Braune Hüllen harmonieren sehr gut mit grünen Fliesen und fördern die Verdauung", erläutert die Fachfrau.

Als Pastorin im Talar zeigte die Künstlerin in einer urkomischen Dankesrede, wie wichtig Sponsoren in Zeiten chronisch klammer Kirchenkassen sein können. Das Spektrum der gemeindlichen Hilfsangebote reichte dabei von der kostenlosen Besohlung der Schuhe des Besuchsdienstes durch den örtlichen Schuster bis zur Spende abgelaufener Backwaren. Köstlich amüsiert bedankte sich das Publikum am Ende mit kräftigem Applaus.

Quelle: RP
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