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Alpen
Veen sucht die neue Spargelprinzessin

Alpen: Veen sucht die neue Spargelprinzessin
Die neue Spargelprinzessin muss sich einer Prüfung unterziehen - sie ist schließlich die Visitenkarte der Spargelbauern in Veen. Ali Patlar, Anne Ricken, Achim Schippers, Martin Wache (obere Reihe, v. l.), Michael van Beek (u. l.) und Roman Merkewitsch suchen die Nachfolgerin von Katharina Kock. FOTO: Fischer
Alpen. Heute stellt sich ein halbes Dutzend Kandidatinnen vor, die Katharina auf dem Thron ablösen möchten. Von Bernfried Paus

Noch herrscht relative Ruhe unter der Folie, die in Veen rund 50 Hektar gefurchte Ackerfläche bedecken. Doch sobald die Sonne die noch recht dichte April-Wolkendecke endlich aufreißt, geht unterirdisch die Post ab. Dann sprießt es wieder, das weiße Gold, das jährlich in der Spargelsaison mehr als 25 000 Menschen teils von weit her ins Krähendorf bringt. In einer der niederrheinischen Domänen des genussvollen Gemüses herrscht dann bis zum Johannis-Tag am 24. Juni Hochbetrieb. Und es regiert die Spargelprinzessin.

Jedes Jahr eine neue. Noch ist Katharina Kock (18) im Amt. Doch die Abiturientin aus der Bönninghardt denkt in diesen Abi-Klausurtagen mehr an Hiob als an Spargel. Ihre Nachfolgerin naht. Heute trifft sich Roman Merkewitsch auf dem Spargelhof Schippers mit einem halben Dutzend jungen Damen, die am Samstag, 24. April hier antreten, den Thron als sechste Veener Spargelkönigin zu besteigen. Dann spätestens nimmt die von vielen herbeigesehnte Saison Fahrt auf.

Vor die Thronbesteigung haben die drei Veener Spargelbauern, die pro Saison je nach Sonnenstunden bis zu 300 Tonnen Genuss pur aus dem Boden stechen, eine Prüfung gesetzt. Die Spargelprinzessin ist schließlich ihre Visitenkarte - auch und gerade in der Region wie auf dem Bauernmarkt in Spellen. Sie sollte schon wissen, was sie da verkörpert.

Um 15 Uhr es geht los mit der nicht ganz bierernst gestrickten Ausscheidung. Zur praktischen Prüfung gehört Spargelstechen auf dem Feld und Spargelschälen - von Hand, versteht sich. Ein gutes Auge fürs rechte Gewicht bringt Punkte, und beim Fragebogen ist Wissen gefragt. Wer weiß schon, auf welchen Tag Spargelsilvester fällt?

Publikum ist in der Spargelarena ausdrücklich zugelassen. Vor allem abends, wenn sich Kandidatinnen in der Scheune auf dem Schippers-Hof dem Volk präsentieren, vorgestellt von der schrägen Ulknudel Käthe Köstlich - der Name passt zum Produkt, bekannt aus dem TV-Format "Biggest Loser". Die Kandidatinnen punkten, wenn sie das Publikum erreichen. Katharina hat im vorigen Jahr akrobatisch voll überzeugt, indem sie im Spagat eine Stange Spargel mit dem Mund vom Boden aufgehoben hat. In der Tat gehöre Spargel zu ihren Lieblingsspeisen, sagt sie.

Auf dem Speiseplan steht das Stangengold seit dem vorigen Jahr auch in der Imbissstube Idem in Alpen. Der "Spargel-Döner", eine Kreation des Hauses, hat bundesweit Schlagzeilen produziert. Erfinder Ali Patlar gehört deshalb zur Jury, die sich am Abend des 24. April zur abschließenden Beratung zurückzieht und um Punkt 21.30 Uhr die Spargelprinzessin 2016 kürt. Als Geschenk gibt's erstmals ein schickes Dirndl für die Repräsentantin des Krähendorfes, gestiftet von Trachtenmoden Schlusen aus Xanten. Anschließend wird gefeiert, was das Zeug hält. Angelique Sendzik, Stern am Schlagerhimmel, sendet "SOS - ich brauch 'nen Mann".

Mit der Kür der Spargelprinzessin setzt Veen eine Tradition fort, die der im Herbst verstorbene Ortsvorsteher Charly Schweden 2011 ins Leben gerufen hatte. "Spargel ist ein Aushängeschild und ein echter Wirtschaftsfaktor für unser Dorf", sagt Schwedens Nachfolger Michael van Beek: "Charly würde sich bestimmt darüber freuen, dass wir in seinem Sinne weitermachen."

Unterdessen zieht die scheidende Prinzessin Katharina ein positives Fazit unter ihre Regentschaft: "Es hat mir riesigen Spaß gemacht."

Quelle: RP
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