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Alpen
Verdammt gut erzählt - amüsante Lesung

Alpen. Erwin Kohl machte im Foyer des Alpener Rathauses Lust auf seinen Roman-Ermittler Lukas Born. Von Bernfried Paus

Erwin Kohl fesselt nicht nur mit spannungsgeladenem Stoff, der zwischen zwei Buchdeckel passt. Er kann auch verdammt gut erzählen. Seine Lesung "im Wohnzimmer" des Rathauses wurde für gut 30 Zuhörer - vornehmlich Damen - eine höchst vergnügliche Reise in die nähere Umgebung. Sie führte auf den Labbecker Campingplatz, wo der gefeuerte Kommissar Lukas Born seine Ermittlernase in einen Fall steckt, den die Polizei bereits amtlich zu den Akten gelegt hat.

Der Kopf, der die Figur Born und die Handlung, in die sie verstrickt ist, gebar, servierte nicht nur Appetithappen seines elften Krimis "Verdammt lang tot", sondern gewährte auch Einblick ins kunstvolle Handwerk eines Krimiautoren. Unterm Strich war's ein gelungener, amüsanter Einstieg ins Jahresprogramm des Musik- und Literaturkreises.

Der gibt traditionell Schreibern aus Alpen Gelegenheit, vor Publikum aus ihren Büchern zu lesen. Der Gindericher Kohl ist ein Kind Alpens. Hier hat er viele seiner Geschichten spielen lassen. Wie die unter dem Titel "Die Ohren auch?", die bei Frisör Kohl spielt und die er "völlig missraten" nennt, weil sie ganz ohne Bluttat auskommt.

Mit seinem jüngsten Krimi habe er sich "einen Traum" erfüllt, gibt er den Blick frei in das Seelenleben eines Schreibers. Zum ersten Mal erzähle er im Präsens - eine für den Autor höchst anspruchsvolle Aufgabe, die sich für den Leser durch Tempo und unmittelbare Nähe zum Plot bezahlt mache.

Es zwinge ihn, seinen Protagonisten mit "besonderer Tiefe" auszustatten, so dass er nicht nach einem Fall schon ausgebrannt ist. So hat Kohl Kommissar Born mit einem Trauma belastet. Das hat er einem realen Fall entlehnt, der bundesweit Schlagzeilen gemacht hat. Ein Kommissar hatte dem Entführer eine Bankierssohns Gewalt angedroht, um ihm das Versteck abzupressen. Nur: Kommissar Born "hat zugeschlagen". Das hat ihn seinen Beamten-Job gekostet.

Kohl stellt sich neben seine Roman-Figur, die bis zur Pensionierung noch drei, vier, fünf Fälle tragen müsse. Weil er aber "keine Lust" habe, "den Blues weiter mitzuschleppen", werde Born, der ein Faible für rote String-Tangas hat, noch in "Verdammt lang tot" geheilt. Damit das nicht durch dichterisch freies Handauflegen geschieht, hat sich Kohl Rat bei einer Therapeutin geholt, "die mit meiner Frau im Chor singt".

Locker leitet er über zum Folgeroman. "Hops gegangen" ist längst in Arbeit: "Da geht's dem Born ziemlich gut." Noch ist der Erstling nicht begraben. Donnerstag, 24. März, liest Kohl am Wohnsitz seines gebrochenen Helden: um 19 Uhr auf dem Kerstgenshof in Labbeck.

Quelle: RP
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