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Rheinberg
Vergangenheitsbewältigung vom Feinsten

Rheinberg. "Bad Stories" von und mit Wolfgang Trepper begeistern das Publikum im Schwarzen Adler. Von Inga Jasper

Eine urige Kneipe, schummriges Licht, Klappstühle, ein diffus beleuchteter Vorhang mit Tisch und Stuhl davor; mehr braucht Wolfgang Trepper nicht. Jeweils 120 verkaufte Karten zählte der Veranstalter am Donnerstag und Freitag im Schwarzen Adler. Dazu gab's Bier vom Fass und ausgebuchte Thekenplätze.

Mit gewohnt schwarzem Anzug und knallroten Schuhen betritt der 55-jährige Duisburger die Bühne und beginnt sein Spiel mit dem überwiegend gleichaltrigen Publikum. Die umliegenden Dörfer werden abgeklappert, Personal und Publikum beleidigt, und los geht's mit den "Bad Stories" aus längst vergangenen Tagen.

Unter dem Motto "früher war alles besser" schwadroniert Trepper über die goldenen 70er. Klammerblues im Pfarrsaal, Starparade mit Rainer Holbe, Jugendschwarm Agnetha von ABBA und die drei berühmtesten Deutschen, die eigentlich Österreicher waren: "Udo Jürgens, Mozart und den Anderen hab ich vergessen..." Ohne Pause schwärmt er von der Zeit, in der alles anders war. "Damals ging die Pubertät bis 21, heute bisse ja mit 13 zweimaliger Großvater!"

Das Publikum kommt aus dem Lachen nicht mehr raus. Hier und da werden aktuelle politische Themen als Abwechslung dankbar angenommen. Nach der Halbzeit geht's auf zu den 80er Jahren. Wenn auch nur kurz. Von Dallas über Dieter Bohlen bis hin zum blutigen Sonntag in Irland; von Religion zu Fußball über die Volkszählung und wieder zurück. Was bei Trepper nicht fehlen darf, ist der persönliche Kniff in die Seite des Zuschauers: "Was passiert wenne 'n Klever mit nem Polen kreuzt? Dann haste nen Autodieb, der nicht fahren kann!"

Zum Schluss zeigt er seine sentimentale Seite und appelliert ans Publikum "beim Leben das Leben nicht zu vergessen". "Der Typ ist genial" hör ich von meinem Nebenmann. "Das nenn' ich Vergangenheitsbewältigung vom Allerfeinsten", sagt ein anderer Besucher.

Quelle: RP
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