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Chor-Konzert in Rheinberg
Viel Szenenapplaus bei der "Hör-Bar II"

Chor-Konzert in Rheinberg: Viel Szenenapplaus bei der "Hör-Bar II"
Heiko Bloemers Gitarre klang auch als Schlagzeug super. Daneben: Renan Cengiz. FOTO: Ostermann Olaf
Rheinberg. Der Chor Harmonie entführte 170 Zuhörer in eine Zeit, in der Soldaten fremder Nationen Rheinberg besetzt hielten. Das komplexe Stück begeisterte die Zuhörer. Von Peter Gottschlich

Mehr als 200 Jahre lang war Rheinberg immer wieder besetzt. Von 1590 bis 1815 wechselten sich spanische und niederländische, französische und preußische Männer in Waffen ab, versuchten, Rheinberg mit seiner strategisch wichtigen Lage am Rhein zu halten.

Wie lebten die Menschen unter den Besatzern, was empfanden die Besatzer selbst? Damit beschäftigte sich der Männer- und Frauenchor Harmonie beim Konzert "Hör-Bar II" am Samstagabend. Vor 170 Zuhörern ließ er die menschliche Geschichte der Besatzung im Foyer des Amplonius-Gymnasiums Revue passieren.

Den Angelpunkt bildete ein Werk von Professor Günther Noll, dem Vater von Harmoniesängerin und Moderatorin Angelika Kohl, der bei dem Konzert erstmals zu hören war. Noll hatte einen modernen Kanon mit Sprechgesang komponiert, in dem ein Chor sich in drei Gruppen aufteilte, die gleichzeitig von Soldaten und Besetzern singen.

Jede beleuchtet die Soldaten anders: Eine Gruppe zeigt Soldaten als die, die schützen und bewahren, eine andere als die, die zerstören und Elend hinterlassen, und eine als die, gegen deren Gewalt Menschen anzugehen haben. Zwischen den Sprechgesang setzte Noll die Melodie des französischen Liedes "l'homme armé" von 1450.

So entstand ein Klang, der zwiespältige Gefühlswelten verbindet. Er versetzte die Zuhörer in eine andere Zeit. Von dieser Zeit berichtete auch Amplonius de Berka alias Werner Kehrmann, der als Arzt in Erfurt und Kanoniker in Köln Karriere machte. "Mit insgesamt 52 Jahren waren die Niederländer die längste Besatzungsmacht", sagte Heinrich Kohl, der die "Hör-Bar II" zusammen mit seiner Frau Angelika Kohl sowie Christel Malony, Gisela Cengiz und Annette Ucan moderierte. Diese Gruppe hatte das Konzert auch vorbereitet.

So entführte zum Beispiel das spanische Tanzlied Manana in die Zeit der Besatzer. Günter Noll hatte es arrangiert. Darin sagt ein Soldat auf Spanisch: "Morgens in der Frühe erwarte ich dich, Juana, im Café. Ich schwöre dir, Juana, dass ich Lust habe, deine Fußspitze zu sehen."

Zur Sehnsucht nach Liebe kam der Durst nach Alkohol, der den Rheinberger Rat 1653 veranlasste, den Ausschank am Sonntag während des Gottesdienstes zu verbieten. Dazu hatte Chorleiter Michael Wulf-Schnieders das Lied "Lott uns noch ens drenke" ausgesucht. Er band neben dem Männer- und Frauenchor Harmonie auch den Schulchor des Amplonius-Gymnasiums, das Blockflötenensemble "Momentum musicale" sowie das Sänger- und Gitarrenduo Renan Cengiz und Heiko Bloemers ein.

Immer wieder gaben die 170 Zuhörer Szenenapplaus beim gut zweistündigen Stück, dessen Vorbereitung vor zwei Jahren begonnen hatte. Nach dem Finale klatschten sie lange, einige auch als Dank für das Arrangement mit Sprechkanon rund um das Lied ""l'homme armé".

Quelle: RP
 
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