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Alpen
Viele stimmen in den Chor der Begegnung ein

Alpen. Immer freitags im Amaliencafé: Integrations-Projekt von Kunstpädagogin Agnes Maxsein startet erfolgreich. Von Erwin Kohl

"Ich möchte Musik als ein gemeinsames Erlebnis und als Möglichkeit anbieten, seine eigene Stimme wahrzunehmen", erklärt Agnes Maxsein. Darüber hinaus hat es sich die 25-jährige zum Ziel gesetzt, mit der "Weltsprache Musik" Einheimische und Neuankömmlinge, Kinder und Erwachsene, Menschen mit und ohne Gesangserfahrung zu verbinden und gegenseitig ein Stück näher zu bringen. "Ich habe vor kurzem mein Kunststudium abgeschlossen und wohne jetzt wieder in Alpen. Es war mein Wunsch, mich in der Gemeinde einzubringen", so Agnes Maxsein.

Gemeinsam mit ihrer Mutter Doris hat die 25-Jährige deshalb im Alpener Amaliencafé ein Projekt gestartet und den "Chor der Begegnung" ins Leben gerufen. Angesprochen wurden auch die Mitglieder der örtlichen Flüchtlingshilfe. Deren Vorsitzender Patrick Depuhl betont: "Es geht ausdrücklich nicht um einen Chor nur für Flüchtlinge, sondern um gemeinsames Singen für alle Alpener."

Das integrative Konzept ist auf Anhieb aufgegangen: Mehr als 30 sangesfreudige Menschen, je zur Hälfte Einheimische und Neuankömmlinge, stellten sich im Stuhlkreis zunächst gegenseitig vor. Unter ihnen war auch die Syrerin Olaa Aljashe mit ihrer Familie. "Ich höre am liebsten englische Rockmusik und HipHop. German Folk kenne ich noch nicht, aber ich lasse mich gerne überraschen", sagte sie kurz vor dem Einsingen.

Von Agnes Maxsein in Deutsch und Englisch moderiert, standen zunächst Atemübungen zur Lockerung der Stimmbänder auf dem Programm. Bereits das folgende Einsingen ließ vielversprechende Ansätze erkennen. Im Laufe des Abends kamen immer mehr Teilnehmer herein, und sie alle trugen ein Lächeln im Gesicht.

"Jeder Teil dieser Erde ist heilig für sein Volk" - Mit diesem indianischen Volkslied hatte Agnes Maxsein gleich zu Beginn den Geist der Runde punktgenau getroffen. Aber das Stück erweist sich als sehr anspruchsvoll, besonders die hohen Töne bekommen nicht alle hin. "Ihr habt den Sound in Euch. Ihr müsst nur den Mund aufmachen", sprach die Chorleiterin zwischendurch ihren Sängerinnen und Sängern Mut zu.

Mit dem schwedischen Volkslied "Vem kann segla" folgte ein sehr ruhiges, trauriges Lied. Den Text können alle ablesen, bei den Noten hapert es hier und da. "Macht nichts, ihr könnt es in etwa am Notenbild erkennen, macht einfach mit", fordert Agnes Maxsein. "Wenn es den Leuten gefällt, wollen wir uns jeden Freitag treffen", hatte die angehende Kunstpädagogin zu Beginn erklärt. Neunzig Minuten später waren sich alle einig. "Wir kommen auf jeden Fall wieder. Vielleicht tanzen wir ja auch mal zusammen. Die Musik war okay", fand Olaa Aljashe. Aber darauf kommt es längst nicht allen an. "Ich kann überhaupt nicht singen, aber es war mir ein großes Anliegen, dabei zu sein", sagte Lisbeth Terlinden. Die Musik, so schien es an diesem Abend, ist der kürzeste Weg zur Integration.

Quelle: RP
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