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Rheinberg
Von der Schmiede zum Bauunternehmen

Rheinberg: Von der Schmiede zum Bauunternehmen
Das neuste Geschäftsfeld der Firma sind Fenster: Karl Caniels und seine Tochter Alexandra zeigen ein einbruchsicheres Fenster. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Das Rheinberger Familienunternehmen Caniels feiert 150-jähriges Bestehen. Mit einer kleinen Schmiede fing alles an. Von Erwin Kohl

Anno 1866 errichtete der Schmied und Ackerer Gerhard Caniels, dem Trend der Handwerksniederlassungen auf dem Land folgend, südlich der Ossenberger Schlossanlage in einer selbst für damalige Verhältnisse bescheidenen Pachtunterkunft eine Schmiede. Damals dürfte er nicht geahnt haben, dass daraus ein Familienunternehmen entsteht, das in diesen Tagen sein 150-jähriges Bestehen feiern kann. Das zumindest geht auf eine Chronik der Stadt Rheinberg zurück.

Im Rahmen des 125. Firmenjubiläums aber erfuhren die verblüfften Ursula und Karl Caniels vom damaligen Leiter der Kreishandwerkerschaft, Dr. Günter Füge, dass ihre Geschichte noch viel älter sei. "Er teilte uns mit, dass unsere Schmiede die älteste am Niederrhein und mindestens 300 Jahre alt ist. Verlässliche Nachweise konnte er allerdings keine bringen", erzählt Karl Caniels. Ein Indiz dafür gibt es allerdings: Es handelt sich um einen kleinen Zeitungsbericht aus dem Jahre 1951 anlässlich der goldenen Hochzeit seiner Großeltern. Darin ist die Rede davon, dass Hubert Caniels zum einen noch im Alter von 79 Jahren täglich am Amboss gestanden und er dies zudem bereits in der vierten Generation gemacht hat.

Die Belegschaft vor dem Firmensitz: Karl Caniels (links) ist ein bodenständiger Chef, der sich nicht in den Vordergrund rückt. FOTO: Armin Fischer

Verbrieft ist allerdings, dass die Caniels' von jeher eine gute Beziehung zur Nachbarschaft als Geschäftsgrundlage pflegten. Auf diese Weise kam Gerhard Caniels im 19. Jahrhundert über den Stellmacher Tilmann Gormanns an den Schlossherrn als Auftraggeber. So gelangten die vom gräflichen Angestellten gebauten typisch niederrheinischen Schlagkarren auf kurzem Wege in die Schmiede Caniels und wurden dort mit den nötigen Beschlägen versehen. In den 1920er Jahren kam mit dem Bauunternehmer Heinrich Gietmann ein weiterer potenter Kunde hinzu. Später bekamen zwei Caniels-Mitarbeiter in der Firma Gietmann sogar eine eigene Werkstatt, in der sie Gerätschaften pflegten.

Wenn sich ein Schmiedebetrieb über einen so langen Zeitraum auf dem Markt halten möchte, muss er sich ständig neuen Herausforderungen stellen. Zuerst waren es die Karrenräder, die verschwanden, später wurde der Hufbeschlag bedeutungslos. Dafür stand das Baugewerbe in voller Blüte. Theodor Caniels konzentrierte sich also ab 1953 auf das Kunstschmiedehandwerg. Als dann die ersten Baumärkte aufkamen und Geländerstäbe in feinster Ziselierung auf den Markt warfen, schaffte sich die Firma Caniels einen Automaten an und produzierte ebenfalls kostengünstig.

1986 übernahm Karl Caniels den Betrieb, und von da an vollzog sich der wohl größte Wandel in der Firmengeschichte. Das Schmiedefeuer erlosch und der Betrieb konzentrierte sich auf die Arbeit beim Kunden, heißt auf Baustellen.

Als Karl Caniels auf einer dieser Baustellen nach Fenstern gefragt wurde, kam ein neuer Stein ins Rollen. Über seine vielen Kontakte kam er an einen Lieferanten und auf die Idee, das Geschäftsfeld grundlegend zu verändern. 1999 folgte bereits der Umzug in den Gewerbepark am Nordring, acht Jahre später wurde die "Bauelemente Caniels GmbH" gegründet. Gesellschafter sind Karl Caniels, Tochter Alexandra und Sohn Markus. Unter den rund 3500 Stammkunden sind immer noch viele Ossenberger. Ein Grund dafür ist, dass Karl Caniels die Bodenhaftung nie verloren hat. "Ich hebe mich nicht hervor oder lasse in der Firma den Chef raushängen. Im Vordergrund steht für mich immer die Sache, nie die Person", erzählt der 66-Jährige. Spricht er über die Firma, glühen seine Augen wie einst die Kohlen im Schmiedeofen - und das wohl noch lange. An Ruhestand denke er nicht: "Was soll ich denn zu Hause?"

Quelle: RP
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