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Rheinberg
Wegweiserin durch Krisen und Konflikte

Rheinberg. Cornelie Groß-Thomas hat die Beratungsstelle für Paare und Familien des Awo-Kreisverbandes aufgebaut und 21 Jahre in der Rheinberger Begegnungsstätte Reichelsiedlung gearbeitet. Jetzt, mit 65 Jahren, geht sie in den Ruhestand. Von Uwe Plien

"Bis dass der Tod euch scheidet": Ein Versprechen, das bei jeder Eheschließung abgegeben wird. Aber längst nicht jede Ehe hält. Wenn Rosenkriege die Liebe ablösen, stürzen Paare oftmals in schwere Konflikte. Und nicht selten die Kinder gleich mit. Dann brauchen Menschen Hilfe, Beratung und Wegweiser durch den dichten Problem-Dschungel. Cornelie Groß-Thomas hat das früh erkannt und hat diese Hilfe angeboten. Zunächst ehrenamtlich, seit 1996 dann hauptberuflich. Seither gibt es die Beratungsstelle für Paare und Familien des Awo-Kreisverbandes in der Begegnungsstätte Reichelsiedlung an der Eschenstraße in Rheinberg.

Cornelie Groß-Thomas hat in diesen 21 Jahren - 17 Jahre davon zusammen mit ihrer Kollegin Gisela Török - unzähligen Paaren, Familien, Kindern und Jugendlichen geholfen. Ende dieses Monats geht die 65-Jährige nun in den Ruhestand. Gestern ist sie offiziell verabschiedet worden.

Michaela Rosenbaum, bei der Awo Referatsleiterin Beratung-Bildung-Inklusion, zeichnete Groß-Thomas Leben in einer launigen Rede kurzweilig nach. Geboren in einem 1000-Seelen-Dorf in Niedersachsen, besuchte sie später ein katholisches Mädchen-Gymnasium, studierte in Göttingen Deutsch und Sport, arbeitete zunächst als Familientherapeutin, bevor sie im Harz in einer Familienberatungsstelle landete. Zwischenzeitlich war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Duisburg tätig, bevor sie zur Arbeiterwohlfahrt kam. "Du bist maßgeblich dafür verantwortlich, dass es hier ein entsprechendes Angebot für Paare und Familien gibt", so Michaela Rosenbaum. "Wir verdanken dir eine Menge." Als von unermüdlichem Einsatz der Protagonistin die Rede war, der weit über das im Arbeitsvertrag geregelte hinaus gegangen sei, nickten alle Anwesenden im Raum.

Cornelie Groß-Thomas hob in ihrer Rede die Verbundenheit hervor, die diese Stelle getragen habe. Ganz besonders die Verbundenheit mit der Langzeitkollegin Gisela Török, aber auch mit den Leitungen der Begegnungsstätte und nicht zuletzt mit der Stadt (gestern unter anderem vertreten durch Sozialdezernentin Rosemarie Kaltenbach), die sich stets für die Belange der Beratungsstelle eingesetzt habe.

"Man hat mir oft gesagt: Du bist eine Powerfrau", erzählte Cornelie Groß-Thomas. "Ich weiß heute, dass ich das beruflich sein wollte, aber privat wollte ich das nie." Sie habe in ihrer beruflichen Laufbahn viele Grenzen überwinden müssen, habe immer kämpfen müssen. "Das Wichtigste bei unserer Arbeit ist, dass man den Blickwinkel auf die Dinge verändert und dass man sich bewegt", so die ausgebildete Mediatorin. Bewegung - englisch "move" - sei ihr so wichtig, dass sie an ihrem Auto das Kennzeichen MO-VE habe, sagte sie mit einem Schmunzeln. Sie sei sehr dankbar, dass sie die Arbeit mehr als 20 Jahre lang habe machen dürfen. Gisela Török und Cornelie Groß-Thomas haben pro Jahr rund 100 bis 120 Fälle bearbeitet. "Mit Leidenschaft, Neugier und Ernsthaftigkeit", wie Török betonte.

Birgit Abraham, Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbandes, gab bekannt, dass eine Nachfolgerin für die 65-Jährige schon bald starten werde. Unterdessen wird sich Groß-Thomas nicht zur Ruhe setzen, sondern privat in Rheinberg beraten. Ob sie dem Jugendhilfeausschuss erhalten bleibt, lässt sie noch offen. Bis Anfang 2018 wird sie dem Gremium auf jeden Fall angehören.

Quelle: RP
 
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