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Rheinberg
Wenn man bloß die Hälfte versteht . . .

Rheinberg: Wenn man bloß die Hälfte versteht . . .
Sie wissen, wie man das Rheinberger Publikum auf Platt unterhält (v.l.): Rolf Kuhlmann, Hacki Hackfurth, Käthi Spolders, Bernhard Evers und Christel van den Boom im "Raum der Stille". 130 Zuschauer spendeten viel Applaus. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Ein Redakteur, der nur hochdeutsch spricht, zu Gast beim Plattdeutschen Abend des Sprookvereins "Ohmen Hendrek."

Liebe Käthi Spolders, liebe Christel van den Boom, lieber Rolf Kuhlmann, lieber Bernhard Evers und lieber Hans-Gerd Hackfurth! Ich muss an dieser Stelle ein Geständnis ablegen: Ich bin kein richtiger Rheinberger, nur ein Zugezogener. Nach 20 Jahren in dieser schönen Stadt, nach regelmäßiger Lektüre des "Rhinberksen Dagwieser" und gelegentlichen Besuchen des Ohmen-Hendrek-Mundart-Stammtisches und zahllosen Gesprächen mit "Ureinwohnern" habe ich meine Platt-Kenntnisse offenbar vollkommen überschätzt. Denn voller Vorfreude besuchte ich am Dienstagabend Ihren "Plattdeutschen Abend" im "Raum der Stille" und war überaus optimistisch, darüber einen angemessenen Bericht für die RP schreiben zu können.

Ich fand das Programm herrlich, habe mich über die Sketche köstlich amüsiert, habe bei den Liedern aus voller Kehle mitgesungen und applaudiert wie ein Weltmeister. Aber: Ich habe, offen gesagt, nur die Hälfte von dem verstanden, was Sie auf der Bühne erzählt haben.

Man wird eben nicht allein durch Interesse und Sympathie und dadurch ein "Plattsprääker", dass man weiß, dass "fruger und fandaach" "früher und heute" bedeutet. Und offen gesagt: Als ich zusammen mit 130 Frauen und Männern im voll besetzten "Raum der Stille" saß und Ihr Programm genoss, dachte ich: "Mensch, die VHS ist gleich nebenan. Hättest du da mal rechtzeitig einen Plattdeutsch-Sprachkursus belegt!" Aber diese Erkenntnis hilft mir jetzt auch nicht weiter.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Ich fand den Abend toll! Ich finde es großartig, was Sie da auf die Beine gestellt haben. Das ganze Bemühen des Sprookvereins Ohmen Hendrek um den Erhalt der Mundart gefällt mir ausgezeichnet. Wenn man Sie reden hört, ist das ein Gefühl von Heimat, von Zuhause, und es weckt schöne Erinnerungen an alte Zeiten. Ein bisschen so wie Weihnachten.

Allein diese Sketche. Käthi Spolders als frierende Nonne und Hacki Hackfurth als hilfsbereiter Mönch, beide zusammen auf Pilgerreise. Klasse! Oder Christel van den Boom als schicke Kundin und Käthi Spolders als Eierfrau "Zöff", die ihre ganz eigene Art entwickelt hat, 100 Eier abzuzählen. Super! Oder der leidgeplagte Spasskassen-Mann Rolf Kuhlmann, der sich mit der aufsässigen Seniorin Frau Schmitz (Käthi Spolders) herumplagen muss. Lustig!

Schön auch die Lieder. Wenn Rolf Kuhlmann aus "Üb' immer Treu' und Redlichkeit" ein "Bleww ömmer brav und sin ma treu" dichtet und alle mitsingen, klingt das gar nicht mehr staatstragend, sondern nah, vertraut und herzlich. Gleiches gilt für "Ärm sin die Brave". Bernhard "Oddjob" Evers hat den Text geschrieben auf die Melodie von "Rut, rut, rut, sind de Ruse". Für einen wie mich, der nur hochdeutsch spricht, waren die Gedichte und "Stückskes", die kleinen vorgelesenen Dönekes und Geschichten schwieriger zu verstehen. Manche Pointe konnte ich als Unkundiger nur erahnen. So viel habe aber auch ich von der Moral der Geschichten verstanden: Es ging oftmals um die kleinen Leute und die Erkenntnis, dass Geld allein nicht glücklich macht. Wichtiger ist, dass man weiß, wo man "thüss" ist. "Ärm, schmereg on brav!" haben Sie, liebe Akteure, Ihren sehr gelungenen Plattdeutschen Abend genannt. Ich kam mir etwas "ärm on fertwifelt vör".

Ich hoffe, dass Ihre Aufführung am Sonntag, 8. November, 15 Uhr, im Bürgerhaus Budberg am Sportplatz ebenfalls ein Erfolg wird. Sie können sicher sein, dass ich im nächsten Jahr wieder dabei bin. Bis dahin werde ich fleißig plattdeutsche Vokabeln üben. Versprochen!

Für einen wunderbaren Abend dankt Ihnen: UWE PLIEN

Quelle: RP
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