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Rheinberg
Wie eine aussterbende Spezies: Taubenzüchtern fehlt Nachwuchs

Rheinberg. Seit wann in Borth Tauben mit dem Ziel auf die Reise geschickt werden, als Erste im heimischen Schlag anzukommen, weiß niemand mehr so genau. Den Taubenzuchtverein "Luftbote" jedenfalls gibt es seit 1952. Das belegt der Vorsitzende Ernst Mons anhand zahlreicher Fotos. 15 bis 18 Taubenschläge waren es in guten Jahren. Heute hat der Verein noch fünf Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von über 70 Jahren. Von Erwin Kohl

Dass es mal wieder mehr werden könnten, daran glaubt bei der Jahressiegerehrung im Clubraum von Ernst Mons niemand mehr. "Der Jugend fehlen das Geld, die Freizeit und der Platz. Früher waren die Tauben auf dem Söller untergebracht, heute sind die Häuser bis zur Dachspitze ausgebaut", sagt Vereinsmitglied Gottfried Gehnen. So wie den Borthern geht es allen Taubenfreunden in der Umgebung.

Hermann Hoffacker war Kassierer der Ossenberger Taubenzüchter, bis der Verein sich in Ermangelung von Nachwuchs auflösen musste. "In den fünfziger Jahren war der Niederrhein eine Taubenhochburg, jetzt sind wir eine aussterbende Spezies", sagt er. Insgesamt 500 Tauben hat der Verein, davon rund 150 Reisetauben. Jede einzelne von ihnen legt im Jahr etwa 4500 Flugkilometer zurück. Der Moment der Heimkehr einer Taube nach einer langen Reise ist das, was das Hobby ausmacht. "Dann weiß man, dass man richtig gefüttert hat und die Taube sich wohlfühlt", erklärt Mons. Weil das alleine aber möglicherweise nicht ausreicht, greifen die Taubenzüchter zu einem Trick: Sie trennen die Pärchen einige Tage vor einem Rennen. Dieser Liebesentzug motiviert, wie über 200 Preise im abgelaufenen Jahr belegen.

Ob eine Taube in preisverdächtiger Zeit Richtung Heimat kommt, erkennt Ernst Mons mit einem Blick zur Borther Kirche: "Wenn die Tauben links am Kirchturm vorbei fliegen, sind sie sehr früh." Damals galt es dann, die Taube vom Dach zu lotsen, um möglichst schnell den Ring als Beweismittel in der Hand zu haben. "Wenn man ihr dabei wehgetan hatte, kam die Taube nie mehr zurück", erinnert sich Mons. Das ist längst Geschichte, moderne GPS-Empfänger an den Füßen haben die Ringe ersetzt, zeichnen Reiseroute, Geschwindigkeit und die wichtige Ankunftszeit vollautomatisch auf. "Im Prinzip kann ich heute in Kevelaer eine Kerze anzünden, während meine Tauben zurückkommen", sagt Ernst Mons.

Diese Technisierung des Taubensports kostet Geld und trägt somit dazu bei, dass den Vereinen die Mitglieder ausgehen. Um die Reisekosten zu minimieren, haben sich die Borther der Transportgemeinschaft Unterer Niederrhein angeschlossen. Zwei Lkw bringen gut 6000 "Rennpferde des kleinen Mannes" zum Einsatzort. Fahrtkosten je Taube: 50 Cent, dazu kommen Startgebühren bis zu 150 Euro.

Quelle: RP
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