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Alpen
"Wir kommen alle gerne zur Arbeit"

Alpen: "Wir kommen alle gerne zur Arbeit"
Die Pflegekräfte von Haus Sebastian an der Dickstraße widersprechen derGewerkschaft. Von links: Dirk Winthuis, Anne Willemssen, Dirk Friedhoff, Jochen Grüntjens, Annette Loth, Melanie Jung - Peschges, Petra Drissen, Beate Opgenhoff und Marlene Loth- Lohmann. FOTO: A. Fischer
Alpen. Mitarbeiter des Hauses Sebastian in Veen distanzieren sich von Aussagen des Verdi-Gewerkschaftssekretärs Hüskes. Von Heidrun Jasper

Sie nehmen kein Blatt vor den Mund: "Wir distanzieren uns von solchen Aussgaben, wie ver.di sie trifft. Es ist nicht im Sinne aller Mitarbeiter, Unruhe zu stiften und bewusst Unzufriedenheit zu schüren", kritisieren Pflegekräfte des Pflegeheimes an der Dickstraße Harald Hüskes, Gewerkschaftssekretär bei Verdi in Duisburg. Der hatte für die Mitarbeiter des Hauses Schöneck in Labbeck eine gerechte Bezahlung gefordert, die Löhne seien in den letzten 15 Jahren nicht angehoben worden, Mitarbeiter mit Warenhausgutscheinen bestochen worden, damit sie gegen den Betriebsrat aussagen (RP vom 15. April). Markus Loth, Leiter sowohl des Hauses in Veen als auch der Einrichtung in Labbeck, und Pflegedienstleiterin Petra Eberhard haben die Kritik von ver.di entschieden zurückgewiesen (RP vom 18. April). Träger beider Häuser ist das Ehepaar Rosemarie und Hans-Jürgen Brunngraber.

"Wir sind beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt und arbeiten genau zu den Bedingungen wie die Mitarbeiter vom Haus Schöneck. Wir können die Haltung des Betriebsrates und einiger Mitarbeiter dort nicht nachvollziehen, zumal die Aussagen nicht den Tatsachen entsprechen", betont das Team um Marlene Loth-Lohmann, stellvertretende Leiterin von Haus Sebastian. "Wir kommen alle gerne zur Arbeit, hier herrscht ein familiäres Miteinander", sagen Melanie Jung-Peschges (sie arbeitet im Sekretariat in der Verwaltung), Petra Drissen (Leiterin der Wohnbereiche zwei und drei), Dirk Friedhoff (Leiter des sozialen Dienstes), Dirk Winthuis (er leitet den Wohnbereich vier) und seine Stellvertreterin Anne Willemsen, Annette Loth (stellvertretende Pflegedienstleitung, Wohnbereichsleitung im Wohnbereich eins), Beate Opgenhoff (Hauswirtschaftsleitung) und Koch Jochen Grüntjens (im Haus Sebastian in Veen werden jeden Tag 260 Essen für die Bewohner beider Einrichtungen gekocht).

Sicher, große Träger anderer Einrichtungen zahlten etwas höhere Gehälter; allerdings koste dort ein Pflegeplatz bei gleicher Qualität auch zwischen 500 und 1000 Euro mehr im Monat. Und in beiden privaten Einrichtungen werde nicht nach Tarif bezahlt, verdiene man vielleicht 100 bis 200 Euro weniger als in anderen Häusern. Aber das sei in Ordnung, eben weil das Arbeitsklima stimme. 110 Mitarbeiter sind im Haus Sebastian beschäftigt, 80 Prozent des Personals sind Frauen, die immer wieder den Spagat zwischen Privatleben und Berufstätigkeit meistern müssen. Man rede offen über alles, sitze oft zusammen, werfe auch 'mal Dienstpläne um, weil ein Mitarbeiter wegen familiärer Probleme kurzfristig einen freien Tag brauche. "Geld ist unserer Meinung nach nicht alles, was zählt", betonen sie; "viele von uns sind seit sehr vielen Jahren hier beschäftigt. Wir schätzen die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Leitungen des Hauses. Es ist immer ein Ansprechpartner da, fast immer wird schnell und unkompliziert eine für beide Parteien annehmbare Lösung gefunden". 114 Männer und Frauen zwischen 43 und 103 Jahren leben in dem geronto-psychiatrischen Haus an der Dickstraße in Veen. Sie sind dement, neurologisch und psychisch krank. 50 Prozent von ihnen haben Pflegestufe drei, müssen intensiv betreut werden. Das geht auf die Knochen, an die Substanz der Mitarbeiter, von denen 66 Prozent examinierte Pflegerinnen und Pfleger sind. Umso wichtiger, dass der Zusammenhalt im Team stimmt, dass die Bewohner von Menschen betreut werden, die froh sind, "dass wir als Mensch hier noch Wertschätzung erfahren".

Quelle: RP
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