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Alpen
Wo ist nur der Storch geblieben ?

Alpen: Wo ist nur der Storch geblieben ?
Als Herr und Frau Adebar im März an der Schmiede eintrafen, war die Freude groß. Auch das Großaufkommen an Langbeinen erfreute zahlreiche Zaungäste sehr. Um so trauriger war der Anblick, der sich Fotograf Hans-Josef Angenendt im leeren Nest bot. FOTO: Angenendt
Alpen. Menzelen trauert. Das Storchenpaar hat wieder seinen Horst an der alten Schmiede verlassen. Zurück blieb nur ein totes Jungtier. Nach Gesprächen mit dem Modellclub sollen am Flugtag an Himmelfahrt keine Düsenjets mehr aufsteigen. Von Bernfried Paus

Der Storch hat Menzelen froh gemacht. Es war Mitte März, als die Adebars wieder im Horst an der alten Schmiede gelandet waren, den der Verein für Brauchtum und Geschichte als Einladung hier errichtet hatte. Und die Hoffnung war groß, dass sich diesmal, nachdem es im vorigen Jahr nicht geklappt hatte mit dem Storchenkinderwunsch, langbeiniger Nachwuchs einstellen würde, der vom Dorf aus in die weite Welt hinausfliegen würde. Doch die Hoffnung ist dahin. Seit Wochen.

Die Trauer ist noch nicht verflogen. "Es ist eine Katastrophe", sagt Hans-Josef Angenendt (67), der jeden Morgen mit der Kamera seine Runden dreht auf Motivsuche für seinen Menzelen-Kalender. Dabei hatte er auch Herrn und Frau Adebar bei ihrer Ankunft fotografiert. Doch die beiden sind weg. Spurlos verschwunden. Den Grund kennt keiner. Es gibt nur Vermutungen. "Es muss was passieren", sagt der Rentner, "sonst haben wir nächstes Jahr wieder das gleiche Problem."

Hans-Josef Angenendt ist nach Pfingsten im Hubwagen hochgefahren zum Horst, als der schon eine ganze Zeit lang verwaist war. "Als ich aufstieg, hatte ich eine Ahnung", sagt er. "Das willst Du gar nicht sehen." So war's dann auch. Im Stroh lag der Kadaver eines Jungstorchs. Ob der noch gelebt hat, als die Alten das Weite gesucht haben, ist Spekulation. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Störche ihr Junges einfach zurücklassen", sagt er. "Da muss etwas Gravierendes passiert sein."

Das traurige Bild lässt den Freund markanter Vögel - unterm Dach seines Hauses hat sich eine Schleiereule eingenistet - nicht los. Er möchte niemanden beschuldigen oder gar anklagen. Aber schweigen möchte er auch nicht. Er will wach rütteln. Was ihn stutzig macht: Die Storchenfamilie in Menzelen, die täglich Treffpunkt vieler Senioren gewesen sei, hätten unmittelbar nach Vatertag Menzelen den Rücken gekehrt. Schon im zweiten Jahr in Folge. Nicht nur die im Horst. Auch die fast zwei Dutzend Langschnäbel, die auf dem feuchten Acker An der Poll dem pflügenden Traktor hinterhergestakst sind, der den Gabentisch üppig gedeckt hat. "Die Bedingenungen für Störche in Menzelen sind eigentlich ideal", so Angenendt, "um so bedauerlicher ist, es dass irgendetwas sie vertreibt."

Am späten Abend des Tages nach Christi Himmelfahrt habe ihn der Anruf ereilt: "Die Störche sind weg." Seitdem sei "die Idylle" gestört. "Es ist traurig", so Angenendt.

Bürgermeister Thomas Ahls hat sich unterdessen in der Causa Störcheflucht zu Wort gemeldet. Er berichtete der Politik von dem rätselhaften Abflug von Meister Adebar und dessen Weibchen. Er sprach von Vermutungen, dass Düsenjäger, die beim Flugtag des Modellflugzeugclubs - der Flugplatz liegt Luftline knapp einen Kilometer vom Horst entfernt - die großen Vögel so verschreckt haben könnten, dass sie das Weite gesucht haben. Die Modellflieger könnten sich das zwar nicht vorstellen. Dennoch hätten sie eingewilligt, kerosinbetriebene Düsenjets künftig auf dem Boden zu lassen. "Ich gehe mal davon aus, dass damit die Kuh vom Eis ist, die Störche im nächsten Jahr zurückkommen und dann bleiben", sagte der Bürgermeister.

Hans Glader, ehemaliger Sprecher der Bio-Station in Wesel und ausgewiesener Storchenversteher, hat so seine Zweifel, dass der Lärm von Flugzeugmodellen Störche das Fürchten lehren. "In Bislich an der Kirchenwoij haben die sich auch von Böllerschüssen der Schützen an der Vogelstange kaum beeindrucken lassen und in aller Ruhe weitergebrütet", so Glader. Vielleicht sei es so gewesen, dass Adebars die flotten Flieger als Greifvögel und so als Gefahr identifiziert hätten. Eine Vermutung. Eine andere: Das Junge sei schlichtweg verhungert. Denn in der langen Trockenheit im Frühsommer habe es kaum Regenwürmer gegeben. Aber die braucht's reichlich, damit der Storchenachwuchs gedeiht. Als das Küken tot war, habe es für die Alten keinen Grund mehr gegeben, im Horst zu bleiben. Dass sich auch die Storchen-Versammlung An der Poll aufgelöst habe, passe ins Bild, so der Fachmann. Die seien in Scharen gekommen, weil der Bauer gepflügt und dabei die Regenwürmer auf dem Silbertablett präsentiert habe. Da lässt sich Meister Adebar nicht zwei Mal bitten.

Quelle: RP
 
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