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Rheinberg
Wutbürger vor Gericht - fast wie Kabarett

Rheinberg. 63-jähriger Rentner aus Rheinberg muss 600 Euro zahlen, weil er einen Polizisten beleidigt hat. Von Uwe Plien

Kein Regisseur hätte eine Posse besser inszenieren können. Im Amtsgericht Rheinberg geriet gestern eine Verhandlung gegen einen 63-jährigen Rheinberger zu einem formvollendeten ComedyProgramm. Doch das Schmunzeln überließ Richterin Imke Plümäkers den Besuchern im Saal 120. Ihr gingen das renitente Auftreten des Angeklagten, seine ständigen Unterbrechungen und Besserwissereien sowie seine fundamentale Systemkritik so sehr auf die Nerven, dass sie mehrmals laut wurde, mit der Faust auf den Tisch schlug, ihn aufforderte sich zu benehmen und die Sitzung für zehn Minuten unterbrach.

Alles ohne durchschlagenden Erfolg: Als der Rentner nach mehr als einer Stunde wegen der Beleidigung eines Polizeibeamten zu einer Geldstraße von 600 Euro verurteilt wurde, wartete dieser die Urteilsbegründung nicht mehr ab, packte seine Aktenordner ein und ging. Er hinterließ bei Richterin, Staatsanwältin und Gerichtsschreiber nur Kopfschütteln. Der Angeklagte W. hatte sich am 26. Juni mit der Polizei angelegt.

Er kam damals auf dem Weg von Rheinberg nach Budberg am Penny-Markt vorbei, wo ein Unfall passiert war. Ein Auto hatte einen Radfahrer umgefahren, zwei Polizisten gingen ihrer Arbeit nach. Der 63-Jährige hielt an und erkundigte sich nach den Umständen des Unfalls, nach der Schwere der Verletzungen etc. Der Polizist E. ließ sich darauf nicht ein und schickte den Mann weg. Doch der ließ sich nicht abwimmeln, bis es fast zum Eklat kam.

Der Polizeibeamte drohte damit, einen Platzverweis auszusprechen und den Mann in Gewahrsam zu nehmen. Dann soll er den Beamten mit den Worten "halt doch die Klappe, du Spacken, du" beleidigt haben. Das ging dem Polizisten zu weit, er erstattete Anzeige. Er und sein Kollege sagten, W. sei ihnen bekannt, weil er sich häufiger in Polizeiangelegenheiten einmische. Allerdings sei er erstmals beleidigend geworden. Der in der Stadt als Querulant bekannte "Wutbürger" versicherte, die Formulierung "du Spacken" gehöre nicht zu seinem Wortschatz, deshalb habe er sie auch nicht verwendet.

Er habe nur "halt doch die Klappe" gesagt.

Quelle: RP
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