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Rheinberg
"Ziemlich beste Freunde" berührt auch auf der Bühne

Rheinberg. Neugier und Vorfreude herrschte beim Publikum in der ausverkauften Stadthalle. Viele hatten wie Doris Rydzek aus Alpen den Film "Ziemlich beste Freunde" im Kino gesehen und waren jetzt gespannt, wie der starke Stoff auf der Bühne funktioniert. Von Alexander Florié

Das Berliner Tournee-Theater Thespiskarren erzählt die Geschichte des nach einem Gleitschirmunfall vom Hals an gelähmten Geschäftsmannes Philippe (Timothy Peach), der eines Tages den ruppig-frechen Ex-Knacki Driss (Felix Frenken) als Pfleger einstellt.

Der ist eigentlich nur gekommen, um sich beim Vorstellungsgespräch eine Unterschrift fürs Arbeitsamt abzuholen. Er wird wider Erwarten von Philippe zur Probe eingestellt. Er hat dort Kost und Logis frei und die hübsche Magalie (Sara Spennemann) in seiner Nähe - auch wenn sich herausstellt, dass sie eher dem weiblichen Geschlecht zugewandt ist.

Der reiche Philippe hat für sich jemanden gefunden, der trotz oder gerade wegen seiner sozialen Herkunft - er stammt aus den Banlieus - eines nicht zeigt: Mitleid. "Das ist das, was ich will", sagt Philippe gegenüber seinem mahnenden Freund Antoine (Michael Haebler) - und lässt sich auf das Abenteuer ein.

Aus der Not, den Filmstoff nicht komplett auf die Bühne übertragen zu können, machte das Ensemble in der Bühnenfassung von Gunnar Dreßler eine Tugend. Mit unglaublich viel Spielfreude gelang es insbesondere den beiden Protagonisten - dem zu Beginn etwas überdreht wirkenden, später unglaublich quirligen Felix Frenken als Driss und dem erst ernst-verbohrten, dann von den Fesseln seines Rollstuhls innerlich befreiten Timothy Peach als Philippe -, die Annäherung der beiden Männer dem Publikum näherzubringen.

Die beginnt bei ersten pflegerischen Ungeschicklichkeiten von Driss, der sich weigert, Philippe Kompressionsstrümpfe anzuziehen, entwickelt sich über Driss' unverkrampfte Offenheit ("Im Rollstuhl ist echt beschissen, was?), der austestet, ob heißes Teewasser Reaktionen hervorruft und Philippe bei der Schaumrasur aufzieht - eine wunderbar witzige Episode.

Die Schlüsselszene ist die Nacht, in der beide Männer vorm Bett sitzen, sich einen Joint reinziehen und Philippe vom Tod seiner Frau und seinem Unfall erzählt - eine tragikomische Szene, in der sich die persönliche Annäherung der beiden so ungleichen Männer vollzieht. Das setzt den Impuls für den zweiten Teil der Aufführung, in der beide Männer mit dem getunten Rollstuhl über die Bühne jagen, im Anzug zu "Earth, Wind & Fire" mit Magalie tanzen, Driss sein Talent als Maler entdeckt und sogar paraglidet. Und er kann Philippe dazu motivieren, endlich mit seiner Brieffreundin Eleonore (Sara Spennemann) in Kontakt zu treten.

"Ein gelungener Abend", lautete das Fazit von Zuschauerin Doris Rydzek. Das Publikum erhob sich stark berührt von der Aufführung zu stehenden Ovationen von den Stühlen.

Quelle: RP
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