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Rheinberg
Zusammenhalt wie in einer Familie

Rheinberg. Die Rheinberger Pumpennachbarschaft Schulstraße I hat am Samstag ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert. Karl Kehrmann hatte sie mit einigen Mitstreitern im Februar 1956 gegründet und wurde ihr erster Pumpenmeister. Von Sabine Hannemann

Die Pumpe ist mit Röschen geschmückt. Sie steht an der Schulstraße, aufgestellt vor bald 50 Jahren von der Pumpennachbarschaft, die nun ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert hat. Am Samstag reisten aus allen Himmelsrichtungen Gäste an, um das Jubiläum mit einem Gartenfest ausgiebig zu feiern.

Am Balkon prangt erstmals das nagelneue Banner der historischen Pumpennachbarschaft. Die Sparkasse am Niederrhein hat es ermöglicht. Pumpenmeisterin Martina Thiemann bereitete das Treffen vor. "Spitzenmäßige Stimmung" habe geherrscht, sagt sie. "Wir haben sogar Tische weggeräumt und getanzt." Das Wiedersehen mit alten und jungen Nachbarn sei gut gelungen. Viele wünschen sich nun, solch ein Fest zum 65-jährigen Bestehen zu wiederholen.

Alte Unterlagen und Fotos dokumentieren, wie die Pumpennachbarschaft einst mit drei Wohnblocks und 24 Parteien entstanden ist. Der Zusammenhalt sei einfach super gewesen, sagt Thiemann. Das haben ihre Eltern erzählt. In einem Rückblick lässt sie den Werdegang der Nachbarschaft Revue passieren. Im Restaurant Germania auf der Bahnhofstraße wurde die Geburtsstunde gefeiert. Treibende Kräfte waren die Nachbarn Kehrmann und Sokull, die am 25. Februar 1956 einen kompletten Vorstand mit an den Start brachten. Laut Gründungsprotokoll wurde Horst Meister Schriftführer und stellvertretender Pumpenmeister. Zum ersten Pumpenmeister wählten die Mitglieder Karl Kehrmann, Günter Schwenzer zum Kassierer. Laut Unterlagen wählte die Pumpennachbarschaft Schulstraße fortschrittlich auch Frauen in den Vorstand.

1966 fand die erste Pumpe ihren Platz. Bei der König-Brauerei wurde ein Fass erstanden und umgebaut. Martina Thiemann erinnert auch an die mageren Zeiten der Pumpennachbarschaft: wenig Interesse, geringe Mitgliederzahl und die Überlegungen, die Pumpennachbarschaft aufzulösen, bestimmten einen Dornröschenschlaf bis zum 10. März 1999. Otto Müller beendete mit zwölf Mitstreitern diesen Zustand. "Otto Müller war damals Hausmeister an der gegenüberliegenden Grundschule", erinnert sich Martina Thiemann. Bis zu seinem Tod mit 97 Jahren hat er an der Schulstraße gewohnt. Er schwärmte damals von der Gemeinschaft und überzeugte auch Thiemann, die wieder in die elterliche Wohnung zurückgezogen war. Damals wurde Klaus Kehrmann Pumpenmeister, Martina Thiemann Schriftführerin. Die Pumpe wurde restauriert, die Gemeinschaft reaktiviert. Ehemalige Nachbarn wie Gerda und Harry Jacknau, Richard und Lottel Nentwig stießen wieder dazu. 2006 feierten sie das 50-jährige Bestehen. Kurze Zeit später schloss sich die Pumpennachbarschaft Schulstraße I mit dem Geldertor und den Vier Ecken, Beguinenstraße, zur Pumpenkirmes zusammen. Seit 2013 feiert die Pumpennachbarschaft Schulstraße wieder alleine.

2011 beendete Klaus Kehrmann seine Zeit als Pumpenmeister, Martina Thiemann folgte auf seinen Posten. Ein weiblicher Vorstand führt heute die Amtsgeschäfte. "Die Gemeinschaft hat uns geprägt und die tolle Hilfsbereitschaft", sagt Martina Thiemann. Bande, die auch Jahrzehnte später Bestand haben, wie Lottel Nentwig (92) erklärt. "Wir sind 1966 weggezogen. 50 Jahre leben wir in Kamp-Lintfort", erklärt die ehemalige Bewohnerin der Schulstraße. "Die Freundschaft hat uns immer zusammengehalten. Das ist wie eine große Familie. Einfach toll."

Quelle: RP
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