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Rommerskirchen
467 Bürger sagen Blutkrebs den Kampf an

Rommerskirchen: 467 Bürger sagen Blutkrebs den Kampf an
Nicht so voll wie erhofft war's am Sonntagabend auf dem Marktplatz: Sechs Bands, darunter die "Big Maggas" unterstützten die Spenderaktion mit einem Benefizkonzert. FOTO: Lothar Berns, anja tinter
Rommerskirchen. In Rommerskirchen ließen sich jetzt viele Menschen bei einer Typisierungsaktion als potenzielle Stammzellspender registrieren. Damit verbunden war eine zweitägige Benefizveranstaltung mit Konzertabend. Der Erlös wird gespendet. Von Christian Kandzorra

Durchschnittlich alle 15 Minuten erhält in Deutschland ein Patient die Diagnose Blutkrebs. Für viele ist die einzige Chance auf Heilung eine Stammzellenspende. Doch: Die Gewebemerkmale von Spender und Patient müssen möglichst übereinstimmen, was nur selten der Fall ist. "Deshalb ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen typisieren, sich also als potenzielle Stammzellenspender registrieren lassen", sagt Pamela Kölbl von der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei).

Die gemeinnützige Gesellschaft machte jetzt auf Initiative von Alexander Breuer von der Gaststätte Dom-Eck Station in Rommerskirchen. Der Hintergrund: Breuers Tochter Annika (8) ist an Blutkrebs erkrankt. Die Chemotherapie schlägt bei ihr gut an, sie hat aber auch Kinder kennengelernt, die auf eine Stammzellenspende angewiesen sind. Annika hatte sich deshalb eine Aktion gewünscht, bei der sich möglichst viele Menschen typisieren lassen.

Ihr Vater kam dem Wunsch nun nach: Er organisierte gemeinsam mit der DKMS und einer eigens gegründeten Initiativgruppe um Jennifer Bakham eine große Typisierungsaktion in der Turnhalle an der Giller Straße und zusätzlich ein Straßenfest, an dem sich zahlreiche Geschäftsleute aus Rommerskirchen beteiligten. Zudem stand gestern auf dem Marktplatz ein Konzert mit sechs Bands auf dem Plan, dessen Resonanz mit rund 200 Besuchern allerdings hinter den Erwartungen zurückblieb. Der Erlös aus den Veranstaltungen soll gespendet werden: Der größte Teil soll an die DKMS gehen, die die Auswertung und Registrierung des Wangenabstrichs, den potenzielle Spender bei der Registrierung abgeben, 40 Euro kostet.

"Echte Helden kämpfen mit Stäbchen": Dem Motto folgte auch Nadine Carl. Sie nahm von sich zwei Wangenabstriche, um sich als Stammzellenspenderin zu registrieren. FOTO: Tinter Anja

Die Hilfsbereitschaft bei den Bürgern war sehr groß. "Allein am Samstag haben sich in der Turnhalle 467 Menschen typisieren lassen", sagt Pamela Kölbl. Einer, der vor Ort mit einem Wattestäbchen einen Wangenabstrich gemacht hat, ist Martin Jäger aus Oekoven: "Das ging schnell und tat überhaupt nicht weh. Ich bin froh, wenn ich helfen kann." Der 47-Jährige hatte im Vorfeld auch seinen Schützenkollegen Bescheid gegeben. Viele waren seinem Appell gefolgt und ließen sich ebenfalls typisieren.

Pamela Kölbl von der DKMS: "Wir erleben hier in Rommerskirchen eine sehr große Hilfsbereitschaft. So viel Benefiz haben wir selten." Wenn sich bei anderen Aktionen auch schon mehr Menschen hatten typisieren lassen, so habe sich die Aktion in Rommerskirchen definitiv gelohnt. Einer von rund 140 ehrenamtlichen Helfern, die die Typisierung in der Turnhalle betreuten, war Guido Breuer aus Anstel. Er ist nicht mit Alexander Breuer verwandt, hatte aber vor sechs Jahren das Glück, einem zwei Jahre alten Jungen aus der Türkei tatsächlich mit seiner Stammzellenspende das Leben zu retten: "Ich möchte den Menschen die Angst nehmen. Mir wurde in einem sehr kurzen Eingriff Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen. Nach einer Stunde war alles vorbei, ich habe danach nur leichten Muskelkater gespürt - so wie nach einer Blutabnahme."

Quelle: NGZ
 
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