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Rommerskirchen
Archäologe erklärt spektakulärste Funde

Rommerskirchen. Oliver Ungerath gibt bei der Volkshochschule einen Überblick über die Ergebnisse der Grabungen in der Gemeinde, die teils Spektakuläres zutage gefördert haben - zum Beispiel Sarkophage und Reste eines Gutshofes aus der Römerzeit. Von Sebastian Meurer

Für alle an der Lokalhistorie Interessierten dürfte es ein Highlight im Frühjahrssemester der Volkshochschule werden. Am 19. April wird der Archäologe Oliver Ungerath im Ratssaal über die anhaltenden Ausgrabungen in der Gemeinde berichten und sie in ihren geschichtlichen Kontext stellen.

Vor gut fünf Jahren hatte Manfred Hundt, Bodendenkmalbeauftragter der Gemeinde, davon gesprochen, dass "viel Neues" bevorstünde. Sein pointierter Befund, wonach es genüge, einen Spaten in den Boden zu stecken, um in archäologischer Hinsicht fündig zu werden, hat sich seither eindrucksvoll bewahrheitet. Was niemand besser weiß als Oliver Ungerath, der für die Kölner Fachfirma Ibeling in den vergangenen Jahren bei allen wichtigen Ausgrabungen dabei war. Aktuell ist er im designierten Baugebiet Steinbrink tätig, wo bereits vor mehr als einem halben Jahr Überreste eines römischen Gutshofs entdeckt worden sind. Rathaussprecher Elmar Gasten verweist auf "das rasante Wachstum" der Gemeinde als Grund für die seit mehr als einem Jahrzehnt anhaltende Dauerpräsenz der Archäologen. Mit dem Bau-Boom ging ein "Grabungs-Boom" einher, bei dem die Experten in schöner Regelmäßigkeit fündig wurden. "In nahezu jedem Baugebiet stoßen die Archäologen auf die Spuren unserer Vorfahren", sagt Gasten. Die Funde reichen von der Jungsteinzeit (10.000 bis 3500 vor Christus) über die Römerzeit bis weit ins hohe Mittelalter.

Nicht alle Funde sind derart spektakulär, wie die 600 fränkischen Gräber, die zwischen 2005 und 2007 am Nettesheimer Weg ausgegraben wurden. "Auch zahlreiche kleine Funde geben Auskunft über Besiedlung und Geschichte des Gillbachlands", weiß Elmar Gasten. Einen Beitrag zur Lokalgeschichte hat Oliver Ungerath schon 2013 geleistet: Im Baugebiet Gillbachstraße fanden sich 2013 Überreste einer hochmittelalterlichen Siedlung, die zu Beginn des neunten Jahrhunderts entstanden sein könnte. Aus dem späteren Mittelalter fanden sich hier keine Überreste mehr, was für Oliver Ungerath ein Indiz für die Hypothese war, es könne sich hier um den "verschwundenen" Ort Gorchheim handeln. Der wird in Dokumenten aus den Jahren 1260 und 1321 erwähnt, ohne dass bis dato andere Spuren von ihm aufgetaucht wären. Die Gemeinde nahm dies zum Anlass für eine Straßenbenennung: Der neue Kindergarten wird am Gorchheimer Weg liegen.

Ungerath bezweifelt, dass sich seine Hypothese jemals hieb- und stichfest beweisen lassen wird. Es fehlten nun einmal die Ortschilder: Auch im Fall von Troja lasse sich nicht mit endgültiger Sicherheit beweisen, dass es sich wirklich um Troja gehandelt habe. Während die Gemeinde für Archäologen eine hochgeschätzte Fundgrube ist, "bereitet dies dem Kämmerer nicht selten Kummer", sagt Elmar Gasten. Wer Baugebiete erschließt, muss auch für die Kosten archäologischer Untersuchungen aufkommen. Allein im vergangenen Jahrzehnt tat die Gemeinde dies mit knapp 2,5 Millionen Euro.

Quelle: NGZ
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