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Rommerskirchen
Bauern beklagen schlechte Getreideernte

Rommerskirchen: Bauern beklagen schlechte Getreideernte
Der Eindruck täuscht: Trotz guter Pflanzen mit ordentlichen Ähren fällt ein Großteil der Getreideernte in diesem Jahr ins Wasser. Die Gerstenernte war schlecht, Landwirt Willi Kremer-Schillings ist auch beim Weizen pessimistisch. FOTO: Anja Tinter
Rommerskirchen. Womöglich werden die Silos der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft in diesem Jahr nicht voll, so mager fällt der Ertrag bei der Gerste aus. Grund sind die starken Regenfälle im Mai und im Juni. Beim Weizen droht sogar ein Fiasko. Von Sebastian Meurer

Landwirte seien durchaus bekannt dafür, gern zu klagen, sagt Willi Kremer-Schillings mit einem Anflug von Selbstironie. Diesmal hätten sie indes allen Grund dafür. Obwohl die Bestände mit einer guten Pflanzenwahl und ordentlichen Ähren aufwarten konnten, sei der Ertrag bei der diesjährigen Gerstenernte nicht wie erwartet ausgefallen. Die Körner sind klein geblieben und wiegen deshalb weniger. Wintergerste dient in erster Linie für Futterzwecke, Braugerste zum Bierbrauen ist am Gillbach seltener anzutreffen. "Im Ergebnis liegt der Ertrag insgesamt rund zehn bis 15 Prozent unter dem des Vorjahres", sagt Landwirt Kremer-Schillings.

Auch der Winterraps, der zur Herstellung von Pflanzenöl verwendet wird, enttäuschte. "Im Schnitt der Jahre ernten wir um die 50 Doppelzentner pro Hektar, in guten Jahren sind es auch schonmal 55 Hektar. Doch in diesem Jahr war bei 37 Doppelzentnern Schluss, und die Ölgehalte waren mit 43 Prozent auch niedriger als im Vorjahr, in dem 46 Prozent keine Seltenheit war", lautet Kremer-Schillings unbefriedigende Bilanz.

Die weit über Rommerskirchen hinaus Gültigkeit hat: Mit großer Enttäuschung blicken die Bauern in der Region auf das Ergebnis, wie auch Kreislandwirt Wolfgang Wappenschmidt deutlich macht. Grund hierfür sei der starke Regen im Mai und im Juni. Parallel habe die Sonneneinwirkung gefehlt. "Das bedeutet weniger Photosynthese, und die brauchen wir, damit die Pflanze wachsen und Stärke herstellen kann", erläutert der Rommerskirchener dazu Ortslandwirt Karl Schütz. Angesichts von Niederschlägen in einer Größenordnung von bis zu 200 Millimetern komme noch das Problem des Stauwassers hinzu, sagt Schütz. Normalerweise müssten bei niedrigen Erträgen die Preise steigen. Doch dies ist in diesem Jahr anders. Weil Nordamerika und Russland Rekorderträge einfahren, ist der Preis auf dem Weltmarkt niedrig. Und am Weltmarktpreis orientiert sich auch der europäische Preis für nahezu alle Agrarprodukte, eben auch der im Rheinland und am Gillbach. So könnte es sein, dass die Silos der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft in diesem Jahr nicht voll werden, zeigt sich deren stellvertretender Vorstandsvorsitzender Willi Kremer-Schillings besorgt. Gespannt wartet er jetzt auf die Weizenernte. Erste Dreschergebnisse deuten nach seinen Worten auf ein Fiasko hin: Die Erträge könnten 30 bis 40 Prozent unter dem Vorjahr liegen. Zusätzlich zu den genannten Gründen verregnete es beim Weizen auch noch die Blüte, so dass viele Kornanlagen taub blieben. "Das ist von der Ferne nicht zu erkennen, da sieht optisch alles gut aus", so Kremer-Schillings. "Um ein vernünftiges Urteil fällen zu können, muss man sich die Ähren im Einzelnen ansehen, und da sieht man, dass da einiges an Körnern fehlt oder sehr klein geblieben ist", begründet er seine Befürchtungen.

Für den Konsumenten ist all dies ohne Auswirkungen. Der Brötchenpreis wird deshalb nicht steigen, denn der Anteil des Weizen am Brötchen beträgt ohnehin nur 0,8 Cent.

Quelle: NGZ
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