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Rommerskirchen
Bei Granatenalarm aus der Wanne geholt

Rommerskirchen: Bei Granatenalarm aus der Wanne geholt
Funde wie diese Panzergranate kommen bis zu viermal im Jahr vor. FOTO: hk
Rommerskirchen. Ordnungsamtsleiter Hans Knelleken gehört zu einem siebenköpfigen Team, das rund um die Uhr eine Rufbereitschaft der Gemeinde sicherstellt. Vor allem bei Kampfmittelfunden ist höchste Eile und größte Vorsicht geboten. Von Bernd Rosenbaum

Wenn bei Hans Knelleken oder einem seiner sechs Kollegen das Rufbereitschaftshandy klingelt, ist der Feierabend beendet. Vor allem, wenn das Alarmierungsstichwort "Kampfmittelfund" lautet, ist Eile geboten. Denn Munition, Granaten oder gar Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg werden potenziell gefährlicher, je länger sie unentdeckt sind. Denn nach mittlerweile mehr als 70 Jahren im Boden ist in der Regel jeder Zünder verrostet und es kann bei der geringsten Erschütterung eine Explosion auslöst werden.

Trotzdem gibt es Menschen, die diese Gefahr ausblenden und so etwas sammeln. "Ein, zwei Mal habe ich das erlebt in meiner Laufbahn", erinnert sich Knelleken. Der heute 64-Jährige ist seit über 40 Jahren im Ordnungsdienst der Gemeinde Rommerskirchen tätig, mit 17 Jahren begann er seine Ausbildung im damaligen Amt Nievenheim. Heute ist er der Leiter des Ordnungsamtes.

"Um keine Sammler auf den Plan zu rufen, werden solche Funde nicht an die große Glocke gehängt", so Knelleken. Er könne sich zum Beispiel an einen Fall erinnern, da habe jemand eine Phosphor-Granate im Gillbach gefunden und ihm gegenüber angemerkt, dass da ja noch mehr gewesen seien. Der erfahrene Knelleken konnte sich allerdings erinnern, dass in diesem Bereich noch nie etwas gemeldet worden war und wurde stutzig. Er fasste nach und fand heraus, dass ein anderer Finder seine "Trophäe" zuvor nicht gemeldet, sondern mit in seinen Betrieb genommen hatte. Als Knelleken dies erfuhr, schickte er den Kampfmittelräumdienst, der für den Gillbach-Einsatz ja bereits ausgerückt war, gleich auch in dem Betrieb vorbei. Dort wurde dann auch die andere Granate sichergestellt.

Hans Knelleken übernimmt regelmäßig die Rufbereitschaft. FOTO: L. Berns

Eindringlich warnt Knelleken davor, solche Funde nicht anzuzeigen. Wer Kampfmittel entdeckt oder besitzt, ist gesetzlich verpflichtet, dies der nächsten Ordnungsbehörde oder der Polizei zu melden. Wer sich daran nicht hält, kann mit einem Bußgeld von bis zu 1000 Euro bestraft werden. Im Interesse der eigenen Sicherheit sollte man gefundene Kampfmittel zudem auf keinen Fall anfassen und den Zugang zur Fundstelle nach Möglichkeit absperren.

Für den Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der gerade den einwöchigen Rufbereitschaftsdienst übernommen hat, gelten dabei besondere Regeln. So darf er sich in dieser Zeit nicht länger als 30 Minuten von Rommerskirchen entfernen. Ein Familienausflug in den Kölner Zoo ist damit zum Beispiel ausgeschlossen. "Alkohol und andere Drogen sind in der Zeit natürlich tabu", lacht Knelleken. Zudem muss der Mitarbeiter vor allem nachts dafür sorgen, dass er jederzeit das Bereitschaftshandy klingeln hört. "Vor ein paar Jahren hatte ein Landwirt auf seinem Feld beim Rüben ausmachen eine alte Handgranate gefunden und das Ordnungsamt alarmiert. Da saß ich gerade in der Badewanne", erinnert sich Hans Knelleken.

Auch nach so vielen Jahrzehnten sind Kampfmittel ein Thema. Knelleken: "Manchmal haben wir drei bis vier Funde im Jahr, manchmal aber auch nur einen."

Quelle: NGZ
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