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Oekoven/Deelen
Der Chronist im Internet

Oekoven/Deelen: Der Chronist im Internet
Der 86-jährige Jakob Mausberg nimmt immer noch gern seine Schulchronik in die Hand. Dabei müsste er es gar nicht mehr, sie steht jetzt im Internet. FOTO: Michael Reuter
Oekoven/Deelen. Der Geschichtskreis des "Netzwerks 55+" hat jetzt die Schulchronik von Jakob Mausberg ins Internet gestellt. Der Autor wird seine amüsante Schrift demnächst in Oekoven vorstellen. Von Sebastian Meurer

Nur noch ältere Bürger werden sie aus eigenem Erleben erinnern, dass es in Deelen einmal eine Schule gab: 140 Jahre lang wurde hier von 1828 bis 1968 Kindern das ABC beigebracht, seit 1976 wird das ehemalige Schulgebäude als Dependance der Werkstatt für Behinderte (WfB) genutzt. Die Erinnerung mag verblassen, niedergeschriebene Historie ist deutlich langlebiger, was Jakob Mausberg dazu bewogen hat, die "Schulchronik Oekoven-Deelen" niederzuschreiben. Jetzt gibt es sie sogar online – im weltweiten Netz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bei einem Gefangenentransport "vom Lastwagen gefallen", wie er seine Flucht beschreibt, verschlug es den gebürtigen Neusser nach Oekoven, wo ein Onkel von ihm lebte. Jakob Mausberg fand sein Auskommen zunächst in der Landwirtschaft: Die "Angst des Stadtmenschen vor Kühen und Pferden", musste der neue Knecht nolens volens bald ablegen, doch das "Rüben einzeln" machte ihm Probleme – bei deren Lösung Mausberg die Tochter des damaligen Dorflehrers Wilhelm Neuhausen half. Sie wurde seine Frau und seinen Schwiegervater fragte Jakob Mausberg eines Tages nach der Schulchronik – die nur noch in Fragmenten erhalten war: Mausberg machte sich ans Werk, recherchierte, fügte neu zusammen und ergänzte die Chronik.

Das gut 100-seitige Werk hat er dem Gemeindearchivar Gerd Blaschke zur Verfügung gestellt. Bei einem Archivbesuch stieß Klaus Erdmann vom Geschichtskreis des neuen "Netzwerks 55 +" auf die Chronik und kam mit dem seit den frühen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in Hemmerden lebenden Jakob Mausberg in Kontakt. Erdmann, begeisterter Ahnenforscher und Initiator des Geschichtskreises hat die Chronik digitalisiert und für jedermann lesbar ins Internet eingestellt (http://wiki-de.genealogy.net/Schulchronik_Oekoven-Deelen).

Der 86-jährige Jakob Mausberg selbst hat die Chronik noch einmal zur Hand genommen und auf besonders publikumswirksame Anekdoten hin untersucht. Am 26. April nämlich wird Mausberg die Dorfchronik im Oekovener Pfarrheim St. Briktius präsentieren. Ohne allzu viel vorweg zu nehmen, kann dennoch verraten werden, dass für ein besonders reiches Anekdotenmaterial der einstige Pfarrer Klütsch gesorgt hat.

Im preußischen Kulturkampf gestählt und jedweder liberalen Anwandlung unverdächtig, ist von ihm manch derber Spruch überliefert. Die Besetzung des Oekovener Bahnhofs durch belgische Truppen im Jahr 1923 etwa übte einen besonderen Reiz auf die jüngere Damenwelt Oekovens aus – was der sittenstrenge Pfarrer mit Worten brandmarkte, die man von einem Geistlichen so wirklich nicht vermuten würde.

Quelle: NGZ
 
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