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Rommerskirchen
Die Feldmaus muss draußen bleiben

Rommerskirchen: Die Feldmaus muss draußen bleiben
Allein in NRW hat das massenhafte Auftreten von Feldmäusen im vergangenen Jahr Ernteschäden in Höhe von etlichen Millionen Euro verursacht. Schon das bloße Anknabbern von Möhren macht diese wertlos. FOTO: dpa/Anja Tinter
Rommerskirchen. Angesichts schwerer Ernteschäden schützen Möhrenbauern ihre Felder jetzt erstmals durch schmale und tiefe Gräben. Das Verfahren scheint sich zu bewähren, wie die vergangenen Wochen gezeigt haben. Von Sebastian Meurer

Niedlich ist sie unter anderem auch, in Massen auftretend ist die Feldmaus allerdings für die Landwirte schlichtweg eine Plage. "2014 war das schlimmste Jahr, das wir je hatten", sagt Gerd Sauerwein, Fachberater für den Gemüseanbau bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Allein in NRW beliefen sich die durch die Feldmaus angerichteten Schäden vergangenes Jahr auf mehrere Millionen Euro, beschreibt Sauerwein die Dimensionen.

In Rommerskirchen machen insbesondere die stark auf den Anbau von Möhren setzenden Landwirte auf neue Weise mobil gegen den possierlichen Nager. Wer in diesen Wochen auf den Wirtschaftswegen im Gemeindegebiet unterwegs ist, trifft auf ein ungewohntes Bild: Möhrenfelder werden - nicht allein im hier besonders exponierten "Muretal" - durch tiefe, schmale Gräben gesäumt. Die haben die Möhrenbauern angelegt, um den Feldmäusen ultimativ den "Zutritt" zu den Möhrenparzellen zu verwehren. Gerade bei Möhren ist es 2014 nach den Worten von Gerd Sauerwein zu "massiven Fraßschäden" gekommen. In der Regel geht es Sauerwein zufolge dabei "um den Naschfraß am Kopf" der Möhren, was bereits ausreichend ist, um sie wertlos zu machen. Das Resultat ist schnelle Fäulnis und die hat im vergangenen Jahr für "hohe Abfallraten" und viele Reklamationen des Handels gesorgt, berichtet Gerd Sauerwein.

Auch wenn die jetzigen Sicherheitsmaßnahmen der Landwirte am Gillbach ungewöhnlich anmuten mögen, "spricht die Lehrmeinung schon immer davon, Barrieren zu schaffen", sagt Gerd Sauerwein. Vorreiter für die jetzt angewandte Methode war ein Landwirt im Bedburger Raum: Der hatte eigentlich zu einem ganz anderen Zweck einen Kabelschacht angelegt und fand in dem anderntags gut 30 Feldmäuse, die nicht mehr entweichen konnten.

Diese Gräben auf den Feldern gezielt anzulegen "ist eine sehr teure Arbeit", sagt Sauerwein mit Blick auf Maschinenverschleiß und Spritkosten. Ortslandwirt Karl Schütz verweist auf die Relationen: "Je intensiver Möhren angebaut werden, desto eher rechnet sich das Verfahren", sagt Schütz, der es selbst nicht anwendet.

"Es scheint sich zu bewähren", lautet das vorläufige Fazit von Gerd Sauerwein. Eine Ursache dafür, dass das "Grabensystem" angewendet wird, liegt im Verbot von "Schleuderstreuern" und anderen Giftködern. Verschont bleiben die in den Gräben gefangenen Feldmäuse von schädlichen Substanzen allerdings nicht: In den Gräben ausgelegter Giftweizen sorgt dafür, dass sich die gefangenen Tiere dort endgültig den Magen verderben.

Auf einen potenziell problematischen Aspekt hat Peter Herzogenrath, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft, die Landwirte aufmerksam gemacht : In die Gräben könnten nämlich auch Hunde stürzen und sich verletzen. Auch wenn "Hunde auf dem Acker nichts verloren haben", hat Herzogenrath angesichts potenziell denkbarer Rechtsstreitigkeiten den Landwirten vorsichtshalber empfohlen, "Herrchen" und "Frauchen" in geeigneter Weise, etwa durch eine gut sichtbare Beschilderung, auf die Gräben hinzuweisen.

Quelle: NGZ
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