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Rommerskirchen
Knallhartes Polit-Kabarett in Eckum

Rommerskirchen. Die Kölnerin Anny Hartmann fördert die Nachdenklichkeit ihres Publikums. Von Hansgeorg Marzinkowski

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert pflegt das Kulturcafé der evangelischen Samaritergemeinde in Eckum das deutsche Kabarett. Die fünf Veranstaltungen in diesem Jahr in der meist ausverkauften (118 Plätze) Reihe sind ausnahmslos Frauen vorbehalten. "Das ist reiner Zufall", sagt Pfarrer Thomas Spitzer, der jetzt Anny Hartmann mit ihrem neuen Programm "NoLobby is perfect" begrüßen konnte. Die Kölner Kabarettistin ist in ihrem Genre die einzige Frau, die knallhartes und durch vielfältige Fakten belegtes politisches Kabarett zelebriert. Ihr Kollege Volker Pispers lobt: "Sie vereint die drei großen H des Kabaretts, Haltung, Humor, Hirn." Davon konnten sich die Zuhörer in Eckum überzeugen: Mit stringenter Logik und in rasantem Tempo zerlegt sie Politprozesse, an die man sich zu bequem gewöhnt hat. "Viele Politiker kümmern sich nicht mehr um Politik, sondern nur um Machterhalt." Und auf jeden Bundestagsabgeordneten kommen acht Lobbyisten.

Hinter dem Kürzel "LOS" verbirgt sich "Lobbyisten ohne Schamgrenze. Der Unterschied zwischen Lobbyisten und Terroristen? "Letztere haben Sympathisanten. Ich weiß, das ist gemein, aber es macht Spaß." In gut zwei Stunden "Wirtschaftsseminar" behandelt die studierte Diplom-Volkswirtin Lobbyismus und seine indirekte Variante (ganz gefährlich!), Vermögens- und Unternehmenssteuern, Kapitalismus und neue soziale Marktwirtschaft. "Kapitalismus ist ein Nullsummenspiel: Es geht uns gut, weil es anderen schlecht geht." Deshalb brauchen wir auch keine Mauer wie Donald Trump, "wir haben das Mittelmeer".

Ihr Programm fördert vor allem viel Nachdenklichkeit, dazwischen streut sie mit knapper Gestik alte Witze und Live-Erlebnisse ein: "Bei der Premiere des Programms in Berlin fand ich einen Kiosk, dort gab es 'Coffee to go - auch zum Mitnehmen!'" Nicht ganz ernst gemeint war wohl auch der Rat an die vielen Damen im Publikum: "Heirate einen Historiker, du wirst interessanter, je älter du wirst!" Der starke Beifall galt aber ihren überzeugenden Polit-Analysen und den mit viel Humor empfohlenen Konsequenzen. Wer sich mit der Materie intensiver befassen wollte, für den hielt Anny Hartmann Buchempfehlungen und Websites bereit.

Beim nächsten Abend (17. November) stellt Inka Meyer fest: "Der Teufel trägt Parka".

Quelle: NGZ
 
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