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Viele Sympathien nach falscher Beschuldigung
Rentner möchte Eltern neue Grab-Eule schenken

Viele Sympathien nach falscher Beschuldigung: Rentner möchte Eltern neue Grab-Eule schenken
Werner K. hat mit dem Eulen-Diebstahl definitiv nichts zu tun. FOTO: Werner K.
Rommerskirchen. Erst wurde Werner K. im Internet fälschlicherweise als "Friedhofsdieb" übel beschimpft. Es ging um eine gestohlene Bronze-Eule von einem Kindergrab. Jetzt fliegen dem 77-Jährigen viele Sympathien zu. Auch die betroffenen Eltern wollen mit ihm Kontakt aufnehmen.  Von Carola Siedentop und Sebastian Meurer

Werner K. aus Offenburg wollte eine Bronze-Eule im Internet verkaufen, die der gestohlenen Staue vom Grab der zweijährigen Luise aus Rommerskirchen ähnelt. Schnell wurde der Rentner zum Ziel von Hass und Beleidigungen. Er wurde bei Facebook von zahlreichen Nutzern als "Friedhofsdieb" hingestellt. Der 77-Jährige wandte sich an die Polizei, seine Unschuld war schnell bewiesen. Seine Bronze-Eule ist nicht die gestohlene Statue. 

Doch damit wollte es Werner K. nicht auf sich beruhen lassen. "Eigentlich müsste jeder, der mich so schlimm beschimpft hat, als Wiedergutmachung Geld auf ein Spendenkonto zahlen, dass den betroffenen Eltern zugute kommt", sagt der Offenburger. Zumindest aber möchte er seine Bronze-Eule nun Burkhard und Natalie Rühe, den Eltern der 2015 im Alter von zwei Jahren verstorbenen Luise, schenken. 

Werner K. hat an Eltern geschrieben

"Das ist sehr nett und lieb von ihm", lautet die erste Reaktion von Natalie Rühe. Ob sie und ihr Mann das Angebot annehmen werden, haben die von dem Grabfrevel geschockten Eltern des Kinds allerdings noch nicht entschieden. In jedem Fall wollen die Rühes versuchen, mit dem 77-Jährigen Kontakt aufzunehmen.

Werner K. ist bereits aktiv geworden und hat den Eltern am Dienstagmorgen eine Mail gesendet. Er möchte ihr die Eule auf jeden Fall schenken, selbst wenn sie nicht wieder auf das Grab kommen soll. "Vielleicht hat die Familie einen Platz in ihrer Wohnung und eine besondere Stelle zum Gedenken ihrer Tochter eingerichtet. Das wäre ein schöner Platz für meine Eule", erklärt der 77-Jährige. Die Eltern hatten den dreisten Diebstahl ihrer Statue vergangene Woche öffentlich gemacht.

"Hut ab, dass er die Eule verschenkt"

Bei Facebook mehren sich, nachdem der Fall nun aufgeklärt wurde, auch die kritischen Stimmen. "Das kommt dabei raus, wenn in sozialen Netzwerken öffentlich nach Diebesgut gefahndet wird oder auch nur solches Diebesgut als Bild gezeigt wird und der Netz-Mob dann aktiv wird", schreibt ein Kommentator.

Emotionaler geht es bei einem weiteren Schreiber zu: "Echt unter aller Sau...wie viele entschuldigen sich jetzt dafür? 1 von 1000 wenn überhaupt."  Auch von moderner Hexenjagd und schneller Vorverurteilung in sozialen Medien ist die Rede. Viele zeigen Mitgefühl mit Werner K.: "Das, was der arme Kerl da jetzt macht ist rührend. Er musste genug einstecken. Hut ab, dass er die Eule verschenkt! 

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