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Rommerskirchen
St. Briktius: Fundgrube für Kunsthistoriker

Rommerskirchen: St. Briktius: Fundgrube für Kunsthistoriker
Studenten waren in der Oekovener St. Briktius-Kirche zuletzt häufiger zu Gast. Möglich machte es das "Denkmal Kolleg Düsseldorf" der Heinrich-Heine Universität, bei dem auch Reinhard Köpf (rechts) unterrichtet. FOTO: Anja Tinter
Rommerskirchen. Die Kirche in Oekoven war jetzt erneut praktische Unterrichtsstätte für Studenten der Heinrich-Heine-Universität. Unter anderem zählt der Schädel des heiligen Briktius, der auch deshalb Namenspatron der Kirche ist, zum Besitz. Von Sebastian Meurer

Ungeachtet eines 2014 beim Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" belegten ersten Platzes: Als "Universitätsfiliale" dürften den beschaulichen Ort nur die allerwenigsten Einwohner auf der Rechnung gehabt haben. Erneut nämlich war jetzt das "Denkmal-Kolleg Düsseldorf" zu Gast in Oekoven, genauer: der Pfarrkirche St. Briktius. "Es ist eine besondere Kirche", weiß Astrid Lang.

Die promovierte Kunsthistorikerin unterrichtet an der Heinrich-Heine-Universität und war jetzt gemeinsam mit 21 Studenten bereits zum dritten Mal seit 2014 in St. Briktius. In der Kirche, deren Turm im 12. Jahrhundert entstand und die 1223 erstmals urkundlich erwähnt wird. Architektonisch "von außen eher ein Flickenteppich, ist sonst sehr viel von der kompletten Innenausstattung des 19. Jahrhunderts erhalten", nennt Astrid Lang den wichtigsten Grund für das Interesse von Kunsthistorikern an der Kirche. Für ansonsten eher theoretisch arbeitende Studenten gab es in St. Briktius praktischen Anschauungsunterricht, wie die Inventarisierung von sakralen Kunstwerken und anderen Kirchenschätzen fachgerecht erfolgt,

Zuständig waren hierfür der in Koblenz als Gutachter tätige Kunsthistoriker Ivo Rauch, der gemeinsam mit seinem Kollegen Reinhard Köpf im Auftrag des Erzbistums Köln die Innenausstattung von St. Briktius inventarisiert hat und bei dieser Gelegenheit der Pfarrgemeinde zugleich seinen Abschlussbericht zukommen lassen konnte. "Die Inventarisierung geht auf eine Anordnung des Papstes zurück, die schon 30 Jahre alt oder sogar noch älter ist", erläutert Ivo Rauch, der ebenso wie Reinhard Köpf auch an der Heinrich-Heine-Universität unterrichtet. Gut ein Jahr haben die beiden Kunsthistoriker gebraucht, um das Interieur der Kirche komplett zu registrieren sowie fachgerechnet einzuordnen.

Auch treue Kirchgänger dürften vielfach gar nicht wissen, welche Schätze ihr Gotteshaus birgt und was es denn mit ihnen auf sich hat. Längst nicht jedem bekannt sein dürfte, dass sich die Pfarrkirche (erstmals 1287 als solche erwähnt) rühmen kann, im Besitz einer besonders kostbaren Reliquie ihres Namenspatrons zu sein: Der Schädel des heiligen Briktius ist allerdings nicht öffentlich zu sehen, sondern ruht wohl verwahrt in einem Tresor.

Von besonderem Interesse für die Wissenschaftler und die angehenden Kunsthistoriker waren nicht zuletzt die nach wie vor deutlichen Spuren, die der im 19. Jahrhundert berühmte Kirchenmaler Matthias Goebbels hinterlassen hatte. Der war 32 Jahre lang als Kaplan an St. Maria im Kapitol tätig, das Jahrhunderte alte Verbindungen zu den Pfarreien am Gillbach unterhielt. Nur in zwei Kirchen im Rheinland sind Werke von Goebbels derart gut erhalten wie in St. Briktius. Wie Astrid Lang betont auch Ivo Rauch: "Diese Art vollständiger, einheitlicher historischer Ausstattung findet man im Rheinland nur sehr selten." In Oekoven ist die Arbeit des Denkmal-Kollegs nach dem dritten Besuch abgeschlossen.

Quelle: NGZ
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