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Gestohlene Statue von Kindergrab
Unbescholtener Rentner wird als Eulen-Dieb beschimpft

Gestohlene Statue von Kindergrab: Unbescholtener Rentner wird als Eulen-Dieb beschimpft
Werner K. und seine Bronze-Eule. FOTO: Werner K.
Rommerskirchen. Eigentlich wollte Werner K. nur eine Eule aus Bronze bei Ebay verkaufen. Doch weil sie einer Statue gleicht, die vor einiger Zeit von einem Kindergrab gestohlen wurde, begann im Internet die Hetze gegen den 77-Jährigen.   Von Carola Siedentop

Werner K. ist verzweifelt. "Ich wurde aufs Übelste beschimpft und bedroht. Das war schrecklich", sagt der Rentner aus Offenburg. Am Wochenende überschlugen sich bei Facebook die Kommentare von Menschen, die den 77-Jährigen als Friedhofs-Dieb beschimpften. Dabei hatte er nur eine Bronze-Eule angeboten, die ihm vor einiger Zeit sein Sohn gekauft hatte. Stutzig wurde Werner K., als sein Angebot bei Ebay bereits von 27.000 Menschen beobachtet wurde. "Da habe ich gedacht, das kann doch nicht sein. Die Eule hatten wir ja schon öfter inseriert, da gab es keine solche Nachfrage", sagt er.

Doch es waren auch keine Kauf-Interessenten sondern Menschen, die auf eigene Faust Detektiv im Internet spielten. Sie vermuteten, dass die von Werner K. angebotene Eule vom Friedhof in Rommerskirchen stammt: Natalie und Burkhard Rühe hatten den Diebstahl einer solchen Statue vom Grab ihrer Tochter Luise, die mit zwei Jahren an Krebs starb, öffentlich gemacht. 

Weil sich die Eulen gleichen, meinten hunderte Kommentatoren bei Facebook, den Übeltäter ausfindig gemacht zu haben. Sie posteten mehrfach öffentlich die Kleinanzeige von Werner K. Es folgten schlimme Beleidigungen und Anfeindungen. "Ich hatte richtig Angst", sagt der 77-Jährige. Selbst als mehrere Nutzer darauf aufmerksam machten, dass die Bronze-Eule bei Ebay nichts mit dem gestohlenen Exemplar aus Rommerskirchen zu tun hat, ging die Hetze weiter. Eine Userin schrieb: "Es wurde jetzt schon gefühlte 200 Mal die falsche Eule gepostet und damit die falsche Person an den Pranger gestellt und evtl. ja auch noch privat angeschrieben und beleidigt etc. Das ist unter aller Sau und bringt bei der Suche nach der echten Eule überhaupt nichts." Sogar ein Bild mit dem Satz "Nein, es ist nicht die Eule aus Ebay" wurde von einer Kommentatorin gepostet, damit es unter all den Hasstiraden auffällt.

Dieses Bild postete eine Nutzerin bei Facebook, um die Gemüter zu beruhigen. FOTO: Screenshot Facebook

Werner K. wusste sich nicht anders zu helfen und ging zur Polizei. Auf der Wache in Offenburg konnte man nicht wirklich etwas für den 77-Jährigen tun. Doch stellten die Beamten den Kontakt zur Polizei in Neuss her. "Dort habe ich mit einer netten Polizistin gesprochen", erzählt Werner K. Seine Unschuld war schnell bewiesen: Der Rentner kann sämtliche Kaufbelege für seine Eule vorlegen.

Bei der Polizei in Neuss wird natürlich weiter nach der Bronze-Eule vom Kindergrab gefahndet. "Wir haben auch mehrere Hinweise aus dem Internet bekommen, aber wir haben alle Zeugen darauf aufmerksam gemacht, dass es sich nicht um die selbe Eule handeln muss", sagt die Neusser Polizeisprecherin Diane Drawe. Und sie kann bestätigen, dass Werner K. überhaupt nichts mit dem Fall zu tun hat. Metalldiebstähle auf Friedhöfen sind Alltag für die Polizei. "Aber dieser Fall ist natürlich besonders emotional", sagt Diane Drawe. 

Werner K. hofft, dass sich die Lage nun dauerhaft beruhigt. Er möchte seine Bronze-Eule jetzt nicht mehr verkaufen. Der 77-Jährige möchte sie den Eltern der gestorbenen Luise für die Grabstelle schenken. 

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