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Rommerskirchen
Von der Bankkauffrau zur Walnusspresserin

Rommerskirchen: Von der Bankkauffrau zur Walnusspresserin
Fast das gesamte enthaltene Öl extrahiert Heide Eisenacher mit ihrer Maschine aus den Kernen. FOTO: Tinter
Rommerskirchen. Heide Eisenacher verarbeitet mit ihrer Ölmühle in Vanikum diverse Formen von Weichsaaten zu hochwertigen Salat- und Backzutaten. Von Bernd Rosenbaum

Dass sich Heide Eisenacher mal als Müllerin betätigen würde, hätte sich die gebürtige Ruhrpottlerin auch nicht träumen lassen. Denn gelernt hat die heute 57-Jährige etwas ganz anderes. Ursprünglich arbeitete sie als Bankangestellte in Frankfurt am Main. Heute ist sie mit ihrer Ölmühle eine Exotin, nicht nur in ihrem Wohnort Vanikum, sondern in ganz Nordrhein-Westfalen.

Dabei hat sich ihre neue Betätigung - wie so oft im Leben - ganz zufällig ergeben. "Wir haben vor 16 Jahren diesen Bauernhof gekauft, in dem früher der Künstler Norbert Prangenberg lebte und arbeitete", erzählt Heide Eisenacher. Zu dem Gelände gehört auch ein mächtiger Walnussbaum im Garten, der jedes Jahr reichlich Früchte trägt. "Eigentlich mochte ich gar keine Walnüsse", gesteht Eisenacher. Also wanderten die Nüsse ob ihres hohen Brennwertes zunächst in den Ofen.

Doch dann fand sie es zu schade, die nährstoffreichen Früchte einfach zu verfeuern. Stattdessen beschloss sie, sich an einem Walnusslikör zu versuchen. Rezepte dazu waren schnell gefunden, die Herstellung dauerte allerdings. Denn der Likör braucht zwei bis drei Jahre, bis er trinkfertig gereift ist.

Als sie mit ihrem Mann das erste Glas probieren konnte, war Heide Eisenacher überrascht: "Wenn sie auch so schmecken können, dann sind Walnüsse ja doch ganz okay", Und so kam sie schließlich auf die Idee, ihr eigenes Öl herzustellen. Sie eignete sich das nötige Wissen dazu an und besorgte sich eine entsprechende Ölmühle. Das allerdings war gar nicht so einfach, wie sie zunächst dachte, denn da in hiesigen Breiten das heimische Ölpressen nicht sehr verbreitet ist, wurde sie bei ihrer Suche nach der richtigen Maschine erst in Augsburg fündig.

Bei der Verarbeitung der Kerne fallen neben dem Öl zwei "Abfallprodukte" an, die sich auch noch ganz prima nutzen lassen. Da ist zum einen der Pressrückstand. Dieser enthält noch etwa zehn Prozent Ölanteil und lässt sich daher als teilentöltes Walnussmehl gut zum Backen verwenden oder als Basis für eine schmackhafte Walnusssuppe.

Das frisch gepresste Öl enthält zudem noch Schwebeteilchen, die sich als Trub oder Mus nach einiger Zeit am Boden absetzen. Aus dieser Masse lässt sich mit Zusatz von etwas Salz und Honig zum Beispiel ein leckerer Brotaufstrich herstellen, ganz ähnlich der längst nicht mehr nur in den USA beliebten Erdnussbutter.

Inzwischen mahlt Heide Eisenacher nicht mehr nur für den Eigenbedarf. Öl und Nebenprodukte bietet sie zum Kauf an. Und zudem stellt sie ihre Ölmühle auch für Fremdernten zur Verfügung. Immer öfter kommen Kunden und bringen kiloweise Walnusskerne zum Pressen vorbei. Aber auch andere Weichsaaten wie Haselnüsse, Mandeln, Aprikosenkerne, Sonnenblumenkerne und sogar Raps lassen sich verarbeiten. Zwar kann Heide Eisenacher diesen Service nicht kostenlos anbieten. Aber dafür wissen ihre Kunden genau, was in ihrem Öl, das sie nach kurzer Wartezeit mit nach Hause nehmen, drin ist - und vor allem, was nicht.

Quelle: NGZ
 
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