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Rommerskirchen
Weiße Rosen als Erinnerung

Rommerskirchen. Die St. Sebastianus-Bruderschaft gedachte am Sonntag der Opfer des Bombenangriffs, der zwei Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs viele Todesopfer forderte und sich am 1. März zum 65. Mal jährte. Von Sebastian Meurer

Rommerskirchen Vor einer Woche hatte sich der Bombenangriff der US-Armee auf Rommerskirchen zum 65. Mal gejährt. Am Sonntag gedachten die St. Sebastianus-Bruderschaft, die Besucher der Sonntagsmesse sowie Angehörige der Todesopfer mit der traditionellen Kranzniederlegung an der Gedenktafel von St. Peter. Die Pfarrkirche war seinerzeit das erklärte Hauptziel des Angriffs, den die in Frankreich stationierte "410. Bombardment Group" der neunten Bomberdivision flog – zwei Tage, bevor die US-Armee am 3.

März in Rommerskirchen einmarschierte. Im Kirchturm nämlich war eine Richtfunkanlage installiert. Die Kirche selbst wurde bei dem Angriff dem Erdboden gleich gemacht, der Turm blieb schwer beschädigt stehen. Völlig zerstört wurde der angrenzende Bereich zwischen dem Marktplatz und der Venloer Straße. Die Zahl der Toten wird auf 140 bis 150 geschätzt. In seiner Ansprache erinnerte Brudermeister Peter-Josef Plück daran, dass schon Ende Februar ein Funkspruch abgefangen worden war, wonach mit einem Luftangriff der US-Armee gerechnet werden musste.

Am 1. März überflogen die US-Bomber die Gemeinde zunächst und als mancher schon gemeint hatte, es sei für's Erste nichts mehr zu befürchten, kehrten sie zurück: 232 jeweils 250 Kilogramm schwere "general purpose"-Bomben gingen über dem Ortskern nieder. "Als die ersten Menschen gegen 11.30 Uhr die Keller und Bunker verließen, bot sich ihnen ein grauenhaftes Bild", erzählt Gemeindearchivar Gerd Blaschke. Vor der Gaststätte Schmitz am Markt lagen zwei Tote.

Im Keller des Lokals befanden sich 40 Menschen, von denen nur eine Frau überlebte. "Der Luftdruck hatte die Körper der Menschen zum Teil völlig zerrissen", berichtet laschke. Peter-Josef Plück zitierte ein Wort des Philosophen George Santayana: "Wer sich der Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Es gelte, sich immer wieder für den Frieden zu engagieren und die Demokratie zu stärken. Die meisten Toten wurden in einem Massengrab an der "Clivver" begraben, nachdem die Amerikaner zwei Tage später in Rommerskirchen einmarschierten.

Noch ein Jahr später wurden vereinzelt Leichen aus den Trümmern gezogen. "Mit Freude sind die Amerikaner hier nicht empfangen worden", erinnerte sich vor 15 Jahren der Eckumer Hans Tönnes, der das Kriegsende als damals 11-Jähriger miterlebte. Auf der Bahnstraße etwa habe es keine einzige weiße Flagge gegeben. Besonders wendige Zeitgenossen hätten freilich Flaggen anderer Nationen aus dem Fenster gehängt, um die US-Soldaten milder zu stimmen.

Quelle: NGZ
 
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