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Solingen
100. Fahrrad an Flüchtling übergeben

Solingen. In der Fahrradwerkstatt der evangelischen Gemeinde Ohligs werden Fahrräder für Flüchtlinge aufgearbeitet. Von Sandra Grünwald

Trotz des strömenden Regens sind die neuen Mitbürger mit ihren Fahrrädern gekommen, um dabei zu sein, wenn Khadim Khawari feierlich das 100. Fahrrad übergeben wird. Dazu bekommt er einen Helm und ein Fahrradschloss. Khadim kommt aus Afghanistan und ist seit einem Jahr in Deutschland. So, wie Ali Amanat aus Pakistan und Mohamad Ahmad, Mahmod Taoog und Ali Alhaj Taiai aus Syrien. Sie alle besuchen inzwischen Integrationskurse und kommen gerne zum Abend der Begegnung, den die evangelische Gemeinde Ohligs jeden Donnerstag für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund im Café Kiste organisiert. "Sie kommen auch immer wieder in die Fahrradwerkstatt, auch wenn ihre Fahrräder nicht kaputt sind, nur um Hallo zu sagen", freut sich Dirk Fischer, der gemeinsam mit Jürgen Schiemann und Richard Buchholz ehrenamtlich die Fahrradwerkstatt betreibt. Entstanden ist die Idee in der Gemeinde. "Wir hatten das Gefühl, dass die Menschen, die zu uns kommen, mobil sein sollten, aber kostengünstig", erzählt Pfarrerin Claudia Stark, "damit sie die Stadt erkunden können oder zum Deutschkurs fahren." So wurde eine Fahrradwerkstatt eingerichtet, in der gespendete Fahrräder wieder fahrtauglich gemacht werden - oft gemeinsam mit den Flüchtlingen.

Denn es geht auch um Begegnung. "Wir wollen Nächstenliebe leben", betont Stark. Außerdem ist so auch das Deutschlernen einfacher und mit Spaß verbunden. "Wir haben bis dato 110 Fahrräder ausgegeben und 20 haben wir noch auf Halde", sagt Jürgen Schiemann. Die Gemeinde hat großzügige Kellerräume zur Verfügung gestellt, in welchen es möglich ist, dass zeitgleich vier Teams an den Fahrrädern arbeiten. Sachspenden bekommt die Werkstatt unter anderem von der Firma Zweirad Biernath. Rund 3000 Euro kamen durch Zuschüsse von Stadt, Land und der Stadt-Sparkasse zusammen. "Wir verwenden 30 bis 35 Euro pro Fahrrad, wobei der Helm und das Schloss bereits 23 Euro kosten", erzählt Schiemann. Bevor ein Fahrrad an einen neuen Mitbürger übergeben wird, wird er mit einem Film und einer Übungsfahrt auf den Straßenverkehr in Deutschland vorbereitet. Vor allem die "Rechts-vor-links-Regel" wird den Flüchtlingen intensiv nahegebracht. Das ist auch nötig, wie Mohamad Ahmad betont: "Die Straßen sind neu für uns. Die Schilder sind andere als bei uns."

Inzwischen hat er sein Fahrrad schon acht Monate und nutzt es ständig. "So brauche ich kein Bus-Ticket." Die Fahrradwerkstatt freut sich auch weiterhin über Fahrrad-Spenden.

Informationen bei Dirk Fischer (Telefon 264 24 56) oder der evangelischen Gemeinde Ohligs, Susanne Birkhahn-Stöcker (Telefon 382 99 50).

Quelle: RP
 
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