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Solingen
2500 Schüler ins Berufsleben begleitet

Solingen. 29 Jahre hat Jürgen Friedland das Walter-Bremer-Institut geleitet, 38 Jahre dort unterrichtet. Gestern wurde der passionierte Lehrer in den Ruhestand verabschiedet. Von Maxine Herder

Mit Applaus in den Ruhestand verabschiedet werden, das ist nicht die Sache von Jürgen Friedland: "Als Lehrer möchte man ja keinen Beifall. Der größte Lohn ist es doch, wenn man es schafft, die Schüler gut ins Berufsleben zu bekommen." 38 Jahre lang hat Friedland mit diesem Ziel am Walter-Bremer-Institut (WBI) gelehrt, 29 davon als Leiter der Einrichtung. 76 Klassen hat er unterrichtet, rund 2500 angehende Pharmazeutisch-Technische-Assistenten auf ihrem Weg ins Berufsleben begleitet. Ihnen das Schwimmen beigebracht, wie der 65-Jährige sagt: "Ich habe es als meine Aufgabe verstanden, die Schüler schwimmen zu lehren für den Zeitpunkt, wenn sie ins kalte Wasser des Berufslebens springen müssen. Die Lehre war immer meine Leidenschaft."

Dabei hatte der junge Jürgen Friedland nach dem Abitur 1969 eigentlich erst einmal andere Pläne: "Ich wollte Chemie studieren, doch damals hatte das Fach die längste Studiendauer von allen. Zudem waren die Berufsaussichten alles andere als rosig." Ein Bekannter wies ihn auf ein Pharmazie-Studium hin - und legte so den Grundstein für eine tiefe berufliche Leidenschaft.

Denn Pharmazie, schwärmt der scheidende städtische Pharmaziedirektor bis heute, sei das vielfältigste an Naturwissenschaften, was man machen könne. "Man hat nicht nur Chemie, sondern auch medizinische und biologische Dinge, bekommt ein breites Wissen. Genau das sage ich auch immer meinen Schülern", so Friedland.

Nach dem Studium in Bonn bleibt der gebürtige Solinger zunächst an der Universität, entdeckt dort seine Freude am Unterrichten, daran, jungen Menschen etwas mitzugeben, beginnt seine Doktorarbeit - und bricht sie ab, als er 1977 die Ausschreibung der Dozentenstelle am WBI entdeckt. "Das war meine Traumstelle", sagt Friedland. Neun Jahre später wird er, mit 36 Jahren, Schulleiter. Und hat darin, so sagt er, die Arbeit gefunden, die er so sehr gemocht hat, dass er sie nie als Arbeit empfunden hat.

Die notwendige Verwaltungsarbeit macht er sich so einfach wie möglich: Mit einem selbst geschriebenen Programm, mit dem am WBI bis heute gearbeitet wird. "So hatte ich immer viel Zeit für meine eigentliche Arbeit: das Unterrichten."

Es sind wechselhafte Zeiten, durch die Friedland mit "seiner" Schule geht: Zwei Mal zieht sie um - 1990 von der Blumenstraße nach Merscheid, 2009 von Merscheid an die Burgstraße -, 1992 wird sie umbenannt: von der Lehranstalt zum Institut. Und immer wieder wird die Zukunft des WBI als städtische Einrichtung wegen Sparmaßnahmen infrage gestellt, zuletzt im vergangenen Jahr. "Da war es nochmal ganz heftig. Es fehlt bis heute ein Gesetz, was festlegt, dass diese Schule auch eine Landesschule ist."

Denn eine Schließung sei keine Option: "Für die Ausbildung in diesem Beruf ist die Schule unbedingt nötig, unsere Absolventen stellen das Hauptpersonal in den Apotheken. Unsere Schüler kommen aus dem ganzen Bergischen Land und dem Düsseldorfer Raum."

Die Perspektiven für die Schüler sind gut: "Wir können nicht so viele Leute ausbilden, wie gebraucht werden", macht Friedland deutlich.

Wenn er die Institutsleitung nun an seine bisherige Stellvertreterin Reingard Dahlhof übergibt, dann macht ihm der künftige Betrieb der Schule nicht einmal einen Hauch von Sorgen. "Aber die künftige Finanzierung durch die Stadt, darum sorge ich mich."

Jürgen Friedland geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Ich freue mich über die Freizeit und die Freiheit, die ja auch einen Anreiz bieten, noch einmal etwas Neues anzufangen. Zugleich hänge ich sehr an der Schule."

Deshalb will Jürgen Friedland auch nicht so ganz gehen: Als ehrenamtlicher Lehrer will er seine Schüler weiter begleiten, als Experte für Rezepturen - auf Rezept des Arztes in der Apotheke hergestellte Arzneien - wird er sich außerdem um die achte Auflage eines von ihm geschriebenen Lehrbuchs kümmern, zudem weiter Vorträge halten. "Außerdem koche ich gerne, das wird bestimmt ein neues Hobby werden."

Quelle: RP
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