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Solingen
600 neue Arbeitsplätze im Hansa-Quartier?

Solingen: 600 neue Arbeitsplätze im Hansa-Quartier?
! Auf diesem zurzeit noch brachliegenden Grundstück soll demnächst ein Hotel entstehen. FOTO: skoe
Solingen. Stadtplaner und Wirtschaftsförderer hoffen auf eine Kettenreaktion. In der Nähe Hauptbahnhofs sollen neue Bürogebäude entstehen. Das grüne Band im Zentrum von "Ohligs Ost" gibt einen Vorgeschmack darauf, dass sich das Gebiet wie Phönix aus der Asche erheben wird. Von Fred Lothar Melchior

Der Countdown für den Start der "Kletterrakete" und der anderen Spielgeräte ist vorüber: Seit Freitag ist der "Planetenweg" zwischen Sauerbreystraße und Galileum auch offiziell eröffnet. Das grüne Band im Zentrum von "Ohligs Ost" gibt mit dem Neubau von Software-Entwickler Codecentric und der umgestalteten Hochstraße einen Vorgeschmack darauf, dass sich das Gebiet hinter dem Hauptbahnhof wie Phönix aus der Asche erheben wird.

"Das Galileum war der erste Zünder", erklärt Miriam Macdonald, die stellvertretende Leiterin der Stadtentwicklungsplanung. Während mit der Regionale 2006 die Umgestaltung der westlichen Seite des Bahnhofsareals begann, wurde mit der Erweiterung des Gebiets in 2012 und dem politischen Beschluss des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepts ein Jahr später die Entwicklung im östlichen Teilbereich angestoßen.

"Das ist eine schöne Gemeinschaftsaktion", sagen Wirtschaftsförderer Frank Balkenhol und Stadtplanerin Miriam Macdonald. FOTO: Melchior

Dort heißt das Motto jetzt "Wandeln durch Handeln". "Wenn man nicht den Beweis antritt, dass es konkret losgeht, passiert auch nichts", sagt Frank Balkenhol, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. Die Deutsche Bahn AG habe mit dem Umbau des Hauptbahnhofs vorgelegt; jetzt seien Stadt und private Besitzer auf der anderen Seite der Gleise an der Reihe. "Das ist eine extrem gute Chance - auch langfristig - für den Standort Solingen."

# Die Sauerbreystraße wird augenblicklich verschönert. FOTO: Radtke Guido

Noch in diesem Monat soll die Sauerbreystraße ihr verjüngtes Gesicht mit Baumtoren und neuer Pflasterung zeigen. An der Einmündung in die Kamper Straße wird es außerdem einen kleinen Platz mit Bänken und Granitsteinpflaster geben. "Auch bei der Hochstraße ging es um eine Aufwertung und Verbesserung der Wegeverbindungen", verweist Miriam Macdonald auf den neuen Überweg und die Aufpflasterung im Bereich von Mozartstraße und Suppenheider Straße. Durch sie soll der Verkehr langsamer rollen und das Erscheinungsbild verbessert werden - auch im Hinblick auf den imposanten Codecentric-Neubau, den zweiten "Zünder" für eine Kettenreaktion. Wirtschaftsförderer Frank Balkenhol lobt den Solinger Codecentric-Gesellschafter Mirko Novakovic für die Ansiedlung: "Er ist ein Traumpartner."

" Für das alte Hallenbad ist ebenfalls eine neue Nutzung geplant. FOTO: Radtke Guido

Teil der Kettenreaktion ist auch das geplante Ibis-Hotel direkt hinter dem Hauptbahnhof. "Der Hotelier hätte seine Entscheidung wohl kaum ohne die Ansiedlung von Codecentric getroffen", unterstreicht Balkenhol. Und die Aussichten, weitere Geschäftsreisende als Übernachtungsgäste zu gewinnen, sind gut. Sie verbergen sich hinter dem Arbeitstitel Hansa-Quartier. Die rund 10.000 qm große Fläche zwischen Hochstraße und Deusberger Straße soll mit Bürogebäuden aufgewertet werden.

" Wo noch eine Spedition ist, soll später eine neue Nutzung erfolgen. FOTO: Köhlen Stephan

"Wir haben schon vor langer Zeit gesagt, dass dies unser bester Standort für Büros in Solingen sein wird", erinnert sich Frank Balkenhol. "Hier können vielleicht bis zu 600 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen." Die Wirtschaftsförderung will das in ihrem Besitz befindliche Gelände unter anderem im Oktober auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München bewerben. "Wir können jetzt sehr aktiv mit der Vermarktung des Hansa-Quartiers beginnen. Mit unserer Vorstellung von ,digital offices' werden wir bei Maklern und Investoren ernst genommen."

Pluspunkte gibt es dann nicht nur durch die Bahnhofs- und damit Flughafennähe, sondern auch durch den Kindergarten, der neben dem Galileum auf einem Areal der Wirtschaftsförderung gebaut wird. Er soll wie das Planetarium 2018 fertiggestellt werden. Dann rechnet Balkenhol auch mit dem Beginn von ersten Bauarbeiten im Hansa-Quartier.

$ Die Firma Codecentric hat in Ohligs-Ost bereits neu gebaut. FOTO: Radtke Guido

Das weitere Potenzial für Wohnungsbau wird noch geprüft. Macdonald weist auf das Handlungskonzept Wohnen hin, das in Arbeit ist. "Das Viertel hat noch Modernisierungspotenzial." Allerdings weiß man bei der Wirtschaftsförderung, dass es bereits einige Besitzwechsel gegeben hat, weil Investoren auf "Ohligs Ost" aufmerksam wurden. Balkenhol: "Die sogenannten First Mover erkennen sehr schnell: Da passiert etwas." Die Stadtverwaltung will auch bei der Nutzung leer stehender Ladenlokale auf der Ostseite helfen. "Gemeinsam mit dem Stadtteilmanagement haben wir alle Eigentümer leerer Ladenlokale angeschrieben und beratende Unterstützung angeboten", sagt Miriam Macdonald.

Auch beim denkmalgeschützten früheren Hallenbad an der Sauerbreystraße, für das ein Interessent an einem Nutzungskonzept feilt, ist noch keine Entscheidung gefallen. "Da gibt es aber gute Abstimmungsgespräche", berichtet Miriam Macdonald. "Die Stadt verkauft nur, wenn das Konzept auch belastbar ist", ergänzt Frank Balkenhol.

In "guten" Gesprächen ist man auch mit den Firmen Dahmen und Scalabrin. Die Spedition und der Recyclingbetrieb repräsentieren noch die ursprüngliche Nutzung des Gebiets hinter dem Bahnhof. Scalabrin braucht den Gleisanschluss, hat jetzt aber eine Alternative im Monhofer Feld, dem einzigen Solinger Gewerbegebiet mit einer Anbindung ans Schienennetz. In drei bis fünf Jahren, hofft die Wirtschaftsförderung, könne mit Hilfe des Flächenpools NRW auch direkt an den Gleisen "Urbanität" entstehen. Mit diesem Instrument werden die Stadt und private Dritte unterstützt, wenn es um die Entwicklung zukunftsfähiger Perspektiven geht. Die Maßnahmen im Rahmen des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepts rund um den Hauptbahnhof werden auch weiterhin mit Landes- und Bundesmitteln gefördert.

Quelle: RP
 
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