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Solingen
Abbieger verursachen zu viele Unfälle

Solingen: Abbieger verursachen zu viele Unfälle
Unfallursache: Abbiegen - mit einer Sicherheitsaktion appellierte die Polizei an Autofahrer und Fußgänger verstärkt aufeinander zu achten. Dabei verteilten Uli Schmidt und die Kollegen vom Verkehrssicherheitsdienst im Kreuzungsbereich am Ohligser Schützenplatz auch Info-Blätter. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Ob an der Kreuzung oder im Kreisverkehr: Wenn Fahrer mit ihrem Auto oder Laster abbiegen, sind Fußgänger besonders gefährdet. Jeden vierten Unfall, bei dem Fußgänger verunglücken, verursacht ein Abbieger. Von Günter Tewes

Viel Verkehr herrscht am Schützenplatz in Ohligs mit dem Kreuzungsbereich der Bonner Straße. Autofahrer, die nach rechts in die Hubertusstraße abbiegen, sehen Fußgänger dort auf dem Überweg erst spät: Weil das große Eckhaus mit der Pizzeria unmittelbar am Bürgersteig steht. Das kann zu gefährlichen Situationen führen: Denn sowohl den abbiegenden Fahrern wie auch den die Fahrbahn überquerenden Fußgängern zeigt die Ampel der Kreuzung jeweils Grün, wie der Ohligser Polizeiwachen-Leiter Sascha Gerhardt sowie Michael Bartsch, Leiter der Verkehrsunfall-Prävention im Bergischen Polizei-Präsidialbezirk, betonen.

Unfallursache: Abbiegen - dies haben sie gestern gemeinsam mit den Polizeiverkehrssicherheitsberatern Katrin Grastat, Thomas Müller und Uli Schmidt zu einem Schwerpunkt einer Verkehrssicherheitsaktion an eben dieser viel befahrenen Ohligser Kreuzung gemacht. Appell an die Fahrer und gleichermaßen an die Fußgänger: beim Abbiegen beziehungsweise in Kurven- und Kreuzungsbereichen besonders aufeinander achten.

"Fußgänger haben keine Knautschzone, keinen Airbag und keinen Sicherheitsgurt", sagt Bartsch. "Werden Fußgänger vom Auto erfasst, hat das meist gravierende Folgen", unterstreicht Gerhardt. Gerade beim Abbiegen ereignen sich viele Unfälle. Zahlen belegen das. 99 Fußgänger verunglückten im vergangen Jahr auf Solingens Straßen. Jeder vierte dieser Unfälle wird durch einen Abbieger verursacht.

Während in den Jahren 2013 und 2014 keine Fußgänger im Straßenverkehr tödlich verunglückten, ereigneten sich im vergangenen Jahr zwei Unfälle, bei denen Fußgänger tödlich verletzt wurden: eine Seniorin in Aufderhöhe und ein älterer Mann in Ohligs, die von einem abbiegenden Auto beziehungsweise Lastwagen erfasst wurden. Bei dem ersten tödlichen Verkehrsunfall in diesem Jahr kam im vergangenen Monat eine ältere Frau in der City ums Leben. Die Seniorin hatte die Peter-Knecht-Straße im Kurvenbereich überqueren wollen und war von einem Lastwagen überrollt worden.

48 Fußgänger - ebensoviele wie im Vorjahreszeitraum - verunglückten im ersten Halbjahr 2016 auf Solingens Straßen. 19 von ihnen wurden schwer verletzt. Damit deutet sich eine besorgniserregende Entwicklung an. Denn im gesamten vergangenen Jahr zogen sich in der Klingenstadt insgesamt 22 Fußgänger bei Unfällen im Straßenverkehr schwere Verletzungen zu.

Unfallursache: Abbiegen - der für die Sicherheitsaktion der Polizei ausgesuchte Ohligser Kreuzungsbereich am Schützenplatz ist vergleichsweise sogar noch gut ausgestattet. Denn zusätzliche Warnblinklichter an den Ampeln signalisieren hier abbiegenden Fahrern, dass gleichzeitig Fußgänger die Fahrbahn kreuzen können. Das ist längst nicht überall der Fall.

Heikel kann nach den Worten von Uli Schmidt eine Verkehrssituation insbesondere dann werden, wenn ein Linksabbieger in eine Seitenstraße erst noch den dichten Gegenverkehr passieren lassen muss. Eröffnet sich endlich eine Lücke, besteht die Gefahr, diese mit zu viel Tempo zu nutzen, verstärkt auf die entgegenkommenden Autos zu achten und den Fußgänger auf der Seitenstraße zu spät wahrzunehmen.

Dabei, erklärt Verkehrssicherheitsberater Schmidt, ist die Situation klar geregelt: Beim Abbiegen an der Ampel und ohne Ampel, aus dem Kreisverkehr und bei abknickender Vorfahrt haben Fußgänger überall Vorrang. Wer abbiegen will, dem schreibt die Straßenverkehrsordnung vor: "Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen - wenn nötig, ist zu warten."

Quelle: RP
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