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Solingen
Abfindung für mutmaßliches Missbrauchsopfer

Solingen. Die Hoffnung auf Einigkeit zwischen den Prozessparteien hatte sich rasch zerschlagen: Die Beklagte vor dem Arbeitsgericht, eine in Solingen ansässige Firma, war mit dem Vergleichsvorschlag der Kammer im Rechtsstreit mit einem früheren Mitarbeiter (26) offenbar nicht einverstanden gewesen.

So musste das Gericht gestern ein Urteil verkünden: Der Arbeitsvertrag des jungen Mannes wird demnach rückwirkend zum 17. April des vergangenen Jahres aufgelöst - gegen eine Abfindung in Höhe von 26.694 Euro, das entspricht neun Monatsgehältern. Das ist zwar rund ein Viertel weniger Geld als ursprünglich vom Kläger verlangt, aber wiederum mehr als doppelt so viel wie die vom Unternehmen abgelehnte Vergleichssumme. Einen Großteil der Prozesskosten muss zudem der Arbeitgeber tragen. Weder der Kläger noch ein Vertreter der Firma nahmen den Richterspruch persönlich entgegen.

Hintergrund der arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzung ist das seit langem schwelende Verfahren um Vergewaltigung auf einer Dienstreise im Jahr 2013. Ein Vorgesetzter soll den damals 23-jährigen Gesellen auf sein Hotelzimmer gelockt und missbraucht haben. Zwei Instanzen haben den 43-jährigen Angeklagten inzwischen verurteilt - das Wuppertaler Landgericht hatte dabei lediglich das Strafmaß um vier Monate auf zwei Jahre abgesenkt und damit noch eine Bewährung möglich gemacht. Außerdem muss der Mann 5000 Euro an Schmerzensgeld sowie den gleichen Betrag an eine soziale Einrichtung zahlen. Doch der Angeklagte bestreitet die Tat weiterhin und wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe gegen das Urteil.

Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer hatte zunächst vergeblich versucht, die Kündigung seines Vorgesetzten vor dem Arbeitsgericht zu erwirken. Die Firma hatte sich anfangs hinter den Mitarbeiter gestellt und dem Gesellen vorgeworfen, einen sozialen Vernichtungskampf gegen seinen Vorgesetzten zu führen. Mittlerweile jedoch hat sich die Firma von beiden Mitarbeitern getrennt. Auch der heute 26-jährige Kläger sah zuletzt nach Aussage seiner Anwältin keine Zukunft mehr im Unternehmen. Der junge Mann hat inzwischen einen neuen Arbeitgeber gefunden.

(rdl)