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Abriss in Solingen
Das Ende eines Luftschutzbunkers

Solingen: So sieht der Bunker von innen aus
Solingen. Am Mittwoch hat der Abriss des Luftschutzraums am Theater und Konzerthaus begonnen. Die Bauarbeiten legten den alten Zugang zum Bunker frei. Was dort nach dem Abriss entsteht, ist noch offen. Von Verena Kensbock

Ziegel für Ziegel bricht der Bagger den Weg zu einem Stück Zeitgeschichte frei. Ratternd gräbt sich der Meißel in das Gemäuer. Der Staub glitzert in der Morgensonne. Mit jedem Stein, der unter den gleichmäßigen Schlägen des Baggers zu Boden fällt, kommt ein weiterer Teil des Überbleibsels aus dem Zweiten Weltkrieg ans Tageslicht.

So sieht der Bunker von innen aus FOTO: Martin Kempner

Am Mittwochmorgen hat der Abriss des Bunkers am Theater und Konzerthaus begonnen. Wie ein großes Rohr schien er bis dahin aus dem Rasen an der Konrad-Adenauer-Straße zu wachsen. Mit dem Abriss wird sichtbar, welches Bauwerk hier seit 1939 unter der Erde liegt.

110 Quadratmeter für 300 Personen

Als die Decke des Gewölbes einbricht, liegt der Zugang zum Bunker frei – der wurde in den 60er Jahren beim Neubau des Theaters zerstört und überbaut. Der Einstieg war zuletzt nur noch über eine eiserne Leiter durch einen schmalen Schacht möglich. Nun liegt die alte Tür wieder offen. Davor: ein großer Haufen Ziegelsteine. Dahinter: der 110 Quadratmeter große Bunker.

Die Fläche verteilt sich auf zwei Tunnelröhren, jeweils zwei Meter breit, 2,50 Meter hoch und 50 Meter lang – genug Platz, um etwa 300 Personen Schutz zu bieten.

Was sich groß anhört, fühlt sich beengt an. Die langen Röhren sind in Kammern unterteilt, die Wände kahl, die Ziegelsteine abgewetzt. Metallstreben in dem Gemäuer lassen erahnen, dass dort einmal Bänke befestigt waren. Keine Fenster, keine Lampen. In den ersten Raum fällt spärliches Licht durch die freigelegte Tür. In der angrenzenden Kammer ist es schon stockduster. Falls es eine Stromversorgung gab, ist sie ausgebaut worden. Eine Belüftungsanlage existiert nicht mehr.

Bunker passt nicht ins Bild

Anders als viele andere Schutzräume wurde dieser Bunker nicht aus Beton und Stahl gebaut, sondern aus Ziegeln, sagt Sabine Rische von der Stadt Solingen. "Ganz einfach: Ziegel waren günstiger." Beim Abriss zahlt sich das wieder aus: Das lose Ziegelgemäuer ist schneller zerstört als ein Betonklotz. Das Tonnengewölbe stürzt nach und nach ein, sobald der Bagger die Ziegelreihen aus der Decke bricht.

Allerdings betrifft das nur die sichtbaren Teile des Bunkers. Der Abschnitt, der unter dem Theater liegt, wird nicht angefasst. "Man könnte sagen, es wird geschliffen statt abgerissen", sagt Sabine Rische. "Es wird nur das entfernt, was stört." Schließlich werden die abgerissenen Röhren mit Schutt und Erde verfüllt. Die Arbeiten sollen voraussichtlich zwischen 13.000 und 15.000 Euro kosten und etwa eine Woche dauern.

Teile des Bunkers sind erst vor wenigen Wochen freigelegt worden. Mehr oder weniger aus Versehen, denn das Bauwerk liegt etwa drei Meter weiter an der Konrad-Adenauer-Straße, als es in alten Karten eingezeichnet ist. Die freigelegten Bunkerreste passten allerdings nicht in das neu gestaltete Bild rund ums Theater und Konzerthaus und müssen weichen.

Figuren von Jan Boomers könnten die Fläche schmücken

Die Idee, den früheren Luftschutzraum der 1957 abgebrannten Stadthalle für Ausstellungen zu nutzen, wurde verworfen. Nach Einschätzung der Verwaltung wären die Investitionen in die Bausubstanz und die technische Aufrüstungen zu hoch gewesen. Darum nimmt sich nun der Abrissbagger dem sichtbaren Teil des Bunkers an – und das Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg fällt in sich zusammen.

Wie die Freifläche nach dem Abriss aussehen soll, steht noch nicht fest, sagt Sabine Rische von der Stadt Solingen. Zunächst werde die Fläche mit Grün bepflanzt. Für die Gestaltung will die Verwaltung nun Vorschläge machen. So seien auch die bunten, abstrakten Figuren des Solinger Künstlers Jan Boomers im Gespräch, um die Fläche zu schmücken. Eine Entscheidung werde in diesem Jahr aber wohl nicht mehr fallen

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