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Solingen
Abschied von der musikalischen Bühne

Solingen. Nach vielen erfolgreichen Jahren nimmt die Solinger Jazzsängerin Ursula Becker jetzt ihren Abschied von der musikalischen Bühne. Sie feiert ihn mit einem Konzert ihres Vokalensembles "Vocalissime". Von Pia Bergmeister

Schon ihre Sprechstimme ist auffallend schön: Wohlklingend, ruhig, und akzentuiert spricht Ursula Becker mit ihrem Gegenüber. Dabei klingt sie so erfrischend jung, dass niemand ihr die 62 Lebensjahre anhören kann. Wenn Becker dann zu singen beginnt, nimmt die Vokalistin ihre Zuhörer mit auf eine Reise durch die Welt des Jazz, Folk und Pop. Nun verabschiedet sich Ursula Becker nach vielen erfolgreichen Jahrzehnten von der musikalischen Bühne. "Gesundheitliche Gründe zwingen mich dazu, und ich gehe mit einer Mischung aus Traurigkeit und großer Dankbarkeit", erklärt sie. "Schon länger wird das Singen immer anstrengender für mich, und ich habe mich entschieden, dann aufzuhören, wenn es am schönsten ist."

Es wird Mitte Dezember ein fulminanter musikalischer Abschied werden, den sie gemeinsam mit den Künstlern von "Vocalissime" mit einem letzten großen Konzert feiern möchte. "Vor fast genau drei Jahren sind die Sängerinnen Petra Liermann, Susanne Lucas und ich zusammengetroffen, und wir haben unsere gemeinsame Liebe zum mehrstimmigen Gesang entdeckt", blickt die Jazzsängerin zurück. Nach und nach seien bei "Vocalissime" Instrumentalisten hinzugekommen. Es folgten die erste CD "Round Life" und zahlreiche sehr gut besuchte Konzerte.

Singen wollte Ursula Becker eigentlich schon immer. Doch zunächst schlug sie einen anderen Lebensweg ein. "Ich habe eine Vernunftsentscheidung getroffen, doch das Singen blieb mein Traum." Erst mit 29 Jahren fasste sie den Entschluss, ihre Berufung zum Beruf zu machen und studierte an der Arnheimer Hochschule der Künste Jazzgesang. Dieses Studium in den Niederlanden beschreibt die seit 25 Jahren in Solingen lebende Sängerin als "Lebenswendepunkt". Ursula Becker, die in ihrer Kindheit nie ein Instrument gelernt hatte, brachte sich selbst das Gitarrespielen bei und reiste viel. "Auf meinen Reisen habe ich gelernt, welch ein bedeutendes Kommunikationsmittel die Musik ist." Noch heute singe sie gerne in vielen verschiedenen Sprachen. Schnell machte Becker sich in der Jazzszene einen Namen. Sie absolvierte Auftritte mit bekannten Musikern wie Rolf Römer, Klaus Osterloh, John Goldsby von der WDR Big Band und dem Pianisten Rob van den Broeck. "Durch sie, zahlreiche weitere Wegbegleiter und meine ausgedehnte Konzerttätigkeit konnte ich mich als Künstlerin immer weiterentwickeln", bedankt Becker sich.

Ihr Ziel war es immer, ihr Wissen auch weiterzugeben. Sie blickt auf eine über 20-jährige Lehrtätigkeit zurück und hat häufig mit Schauspielern und Sängern gearbeitet, die Schwierigkeiten mit ihrer Stimme und ihrem Körpergefühl haben. Außerdem hat die Gesangspädagogin und Chorleiterin eine psychotherapeutische Ausbildung gemacht. "Arbeit mit der Stimme bedeutet, einen guten Kontakt zu sich selbst zu haben", hat Ursula Becker festgestellt.

Quelle: RP
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