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Solingen
Abschiedsfeier mit Liedern und Tänzen

Solingen. Nach dem vierwöchigen Erholungsurlaub in Solingen kehren die Kinder von Tschernobyl morgen wieder zurück. Von Sandra Grünwald

Vier Wochen waren sie in Solingen und haben nicht nur ein stückweit die Kultur und Geschichte der Klingenstadt kennengelernt, sondern viele Freundschaften geschlossen und sich am Ende auch ein bisschen wie Zuhause gefühlt. Die 35 Kinder aus der weißrussischen Gegend um Belynitschi hat der Verein "Kinder von Tschernobyl - Solinger Hilfe für Minsk" für eine Kinderkur nach Solingen geholt. "Hier können sich die Kinder einmal für vier Wochen so richtig erholen und sind keiner radioaktiven Strahlung ausgesetzt", weiß Vereinsvorsitzender Christian Butz.

Obwohl etliche Kilometer von der Unglücksstelle Tschernobyl entfernt, wurde die Gegend um Belynitschi durch die damaligen Witterungseinflüsse verstrahlt - und das wirkt noch immer nach. "Die Strahlung schwächt das Immunsystem der Kinder und schlägt auf die Schilddrüse", erklärt Christian Butz. Ein Grund mehr, die seit 1991 organisierte jährliche Kinderkur weiterzuführen, obwohl der Solinger Verein im Bergischen Land inzwischen der Einzige ist, der noch aktiv ist. "Früher gab es mehr, und wir haben uns auch ausgetauscht", sagt Christian Butz.

In Solingen kommt dem Verein "Kinder von Tschernobyl - Solinger Hilfe für Minsk" vor allem zugute, dass die eingeladenen Kinder im Vereinsheim und Freibad Itttertal eine tolle Betreuung finden. Auch die Naturfreunde Theegarten bieten jedes Jahr kostenlose Unterkünfte an. "Dieses Mal waren acht Kinder und zwei Betreuer dort untergebracht", freut sich Butz.

Insgesamt ist die Unterstützung der Kinderkur in Solingen groß. So wurde wieder ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das die Kinder so schnell nicht vergessen werden. Besuche im Industriemuseum, auf Schloss Burg, Pölchen-Schießen, im Wuppertaler Zoo und Freizeitpark Phantasialand gehörten zum Ausflugsprogramm. Doch die vier Wochen sind inzwischen zu Ende. "Am morgigen Sonntag geht es heim." Deshalb feierten die Kinder, ihre Betreuer, die Unterstützer, Helfer und Gastfamilien im Gemeindehaus der Evangelischen Kirche Ketzberg ein großes Abschlussfest.

Dafür hatten die Kinder Lieder und Tänze einstudiert, die sie auf die Bühne brachten. Alan Wick war zum ersten Mal Gastvater. Da einer seiner beiden Söhne bereits ausgezogen ist, war der Platz für zwei Gastmädchen frei. Verständigt wurde sich mittels Internet-Translator sowie "Händen und Füßen", so Wick lachend. Gerne stellte er Klavier und Gitarre zur Verfügung, und eins der Mädchen hat das auch gerne genutzt. "Sie hat geübt für das Abschlussfest", verrät Alan Wick.

Am Wochenende ging es mal auf den Kölner Dom, zur Düsseldorfer Kirmes oder nach Wilhelmshaven. "Dort haben sie Muscheln am Nordseestrand gesammelt und hatten viel Spaß", freut sich Wick. So fällt der Abschied - trotz der Freude auf die Familie - nicht so ganz leicht.

Quelle: RP
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