| 00.00 Uhr

Solingen
Abseits der ausgetrampelten Pfade

Solingen. Kammerkonzert der Symphoniker entführte in die Welt amerikanischer Musik.

New York ist sicher eine Reise wert. Aber wenn man dort über Jahre arbeiten muss, kann einem die Hektik der Großstadt auch auf den Geist gehen. So floh Dvorak in seiner Zeit als Direktor des Konservatoriums in seinen Ferien gerne in die stillen Weiten des Westens. Dort hat er auch Indianer gebeten, ihm ihre Gesänge und Tänze vorzuführen. Manches von dem Gehörten hatte Einfluss auf seine Arbeiten, die in den USA entstanden sind. So auch auf sein Quartett op. 96, das "Amerikanische Quartett". Das stand jetzt im Mittelpunkt des Kammerkonzertes der Bergischen Symphoniker im Kunstmuseum.

Rina Yamada und Shino Nakai (Violine), Johanna Seffen (Viola) und Matthias Wehmer (Cello) führten das Publikum in eine spannende Welt abseits der ausgetrampelten Pfade klassisch-romantischer Repertoires für Streichquartett. Ein gefundenes Fressen für die vier Solisten: Am Stamm des ausgewachsenen Böhmen ließen sie an manchem grünen Zweig amerikanische Blumen aufblühen. Die musikantische Lust Dvoraks steht bei ihnen gleich neben der originellen Formbeherrschung - für beides bewunderte ihn schon sein Förderer Brahms.

Heiter und befreit spielen sie den ersten Satz auf und führen direkt in Dvoraks Stimmung einer unbeschwerten Sommerfrische. Sanfte Melodik leitet das Lento - als Kontrast zum verspielt, feingestalteten Vivace, bevor das Finale flott, gewitzt und virtuos durch die vier Stimmen purzelt.

Dvoraks Botschaft an seine US-Schüler: Schafft eine Musik aus den Wurzeln eures Landes. Das fruchtete erst Jahrzehnte später. So ließen sich Komponisten wie Aaron Copland oder Phillip Glass traditionell den letzten Schliff ihrer Ausbildung immer noch in Europa verpassen.

Auf dem Programm stand so auch das komplette Werk Coplands für Streichquartett. Es besteht aus drei kurzen Stücken aus den 20er Jahren, deren noch fast expressionistischen Einfluss die Musiker im Meistermannsaal aufzeigen. Mal zart dialogisierend, mal hart rhythmisch akzentuierend fängt das Quartett diese Werke mit ihrer ungewöhnlich prägnanten Thematik ein.

Phillip Glass verfeinerte seine Studien im Paris der 60er Jahre. Hier lernte er den indischen Musiker Ravi Shankar kennen - eine Initialzündung für den Komponisten, der nun seine Art der "Minimal Music" entwickelte. Dass das aber nicht minimal ist, sondern neben höchster Konzentration und Virtuosität fein abgestufte rhythmische und dynamische Nuancen erfordert, zeigen die vier Streicher im 3. Streichquartett von Glass. Fast hypnotisch schlagen die sechs kurzen Sätze in Bann. Der Abend zeigte, wie bereichernd und witzig die Kammerkonzerte der Symphoniker sein können.

(crm)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Abseits der ausgetrampelten Pfade


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.