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Solingen
Älteste Teile der Wasserburg aufgespürt

Solingen: Älteste Teile der Wasserburg aufgespürt
Die heutige Wasserburg Haus Graven stammt aus dem 17. Jahrhundert. Im Erdreich verborgen sind aber noch Überreste des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorgängerbaus. FOTO: Ralph Matzerath (Archiv)
Solingen. Eine geophysikalische Messung weist Fundamente der einst größeren Burganlage von Haus Graven in Wiescheid nach. Von Stephan Meisel

Als idyllische Wasserburg war Haus Graven seit jeher ein beliebtes Fotomotiv - seit der Öffnung als Kulturstätte mit Café-Bistro vor gut vier Jahren ist sie nicht nur Wiescheidern geradezu ans Herz gewachsen. Doch der historische Bau ist nur der 1656 wiederaufgebaute Teil einer weitaus größeren Burganlage aus dem 13./14. Jahrhundert, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Deren Resten ist der von Lothar Marienhagen geführte "Förderverein Wasserburg Haus Graven" jetzt auf der Spur. Spezialisten der Bonner Geofact GmbH haben nach Marienhagens Angaben kürzlich mit geophysikalischen Methoden die nähere Umgebung abgesucht. "Und sie haben tatsächlich im Boden Fundamente geortet."

Das Gutachten des Bonner Ingenieurbüros steht allerdings noch aus, soll jedoch im Herbst präsentiert werden. Aber die Vorfreude ist Marienhagen bereits ins Gesicht geschrieben. "Dass es diese Hauptburg gab, ist durch historische Dokumente belegt. Aber den genauen Umfang konnte man bislang nur vermuten." Der Boden sei bislang für eine archäologische Forschung noch nicht aufgegraben worden. "Dazu bedarf es ja einer Genehmigung."

Das Geofact-Team erforschte den Boden oberirdisch mit einer Methode, die auf der Messung des natürlichen Magnetfelds der Erde basiert. Nach Angaben der Bonner Spezialisten führen Eisenobjekte oder andere magnetisch wirksame Strukturen zu einer messbaren Verzerrung des Erdmagnetfeldes.

"Wenn das nötige Geld aufgetrieben wird, könnten Grabungen erfolgen", sagt Marienhagen. Das wäre ein weiterer Beitrag, der Jahrzehnte lang für Besucher nicht zugänglichen Wasserburg in Wiescheid die Bedeutung zukommen zu lassen, die sie als mittelalterliches Relikt verdient. In der an Wochenenden von 14 bis 17 Uhr geöffneten Dauerausstellung zur Geschichte von Haus Graven erfahren Besucher hierzu Näheres. Zudem arbeitet der Förderverein laut Marienhagen an einer Broschüre, die spätestens Anfang 2016 in Druck gehen soll.

Mit Ausstellungen, Konzerten, Mittelalterfest, Adventsmarkt und Lesungen zieht der Förderverein Besucher in die Burg. Bürgermeister Frank Schneider will nach eigenen Angaben jetzt die Weichen stellen, dass die Erfolgsgeschichte auch nach 2020 fortgeschrieben werden kann. "Dann endet der Ende 2010 von der Stadtverwaltung mit der Privateigentümerin über zehn Jahre abgeschlossene Nutzungsvertrag. Die Hälfte dieser zehn Jahre ist jetzt rum, und ich möchte im Herbst im Gespräch mit der Eigentümerin klären, wie es danach weitergeht", sagt Schneider. Sein eigenes Bestreben sei "ganz klar, dass die Wasserburg auch nach 2020 eine öffentliche Kulturstätte bleibt".

Auch wenn es bis dahin noch fünf Jahre sind, hält der Bürgermeister Klarheit mit genügend großem zeitlichen Vorlauf für wichtig. Die Alternative: Der Mietvertrag könnte verlängert werden - ebenso wie der Vertrag mit dem Förderverein als Betreiber.

Sofern sich die Eigentümerin in fünf Jahren von der Wasserburg trennen möchte, könnte die Stadt Langenfeld ihr Vorkaufsrecht ausüben. Denkbar sei aber auch die Gründung einer Stiftung.

Was niemand hofft: dass das Anwesen an privat, eine Firma oder eine Einrichtung verkauft wird und die Zugänglichkeit für jedermann dann passé wäre.

Quelle: RP
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