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Solingen
Aleviten suchen Spender für Cihan

Solingen. Zum zweiten Mal organisierte die Alevitische Kulturgemeinde eine Typisierungsaktion mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Von Benjamin Dresen

Ein Wangenabstrich kann genügen, um ein Leben zu retten - vielleicht das des 20-jährigen Cihan. Der junge Mann lebte früher in Solingen und nun im Stuttgarter Raum. Kurz nach dem Abitur, als er in sein Freiwilliges Soziales Jahr startete, erhielt Cihan die Diagnose Blutkrebs. Die Alevitische Gemeinde hofft, für ihn bei der Typisierungsaktion am Samstag einen passenden Spender gesunder Stammzellen zu finden. Seine Verwandten gehören zur rund 250 Mitglieder zählenden Alevitischen Gemeinde in Solingen, einer muslimischen Glaubensrichtung.

Die Typisierungsaktion findet nicht durch Zufall im Umfeld der Alevitischen Gemeinde statt: Die Wahrscheinlichkeit, für einen türkischstämmigen Patienten einen passenden Spender zu finden, ist in der eigenen Bevölkerungsgruppe am größten. Auch in Gemeinden in Köln und in Lüdenscheid gibt es eine Typisierungsaktion für Cihan.

Rund 20 Jugendliche aus der Gemeinde engagieren sich bei der Typisierung. Nach Anleitung von Demet Kaygusuz von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) nehmen sie die Daten der Spender auf. Sie sollten gesund sein und zwischen 17 und 55 Jahren alt. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, nehmen die Helfer mit einem Stäbchen einen Abstrich von der Wangenschleimhaut. Dieser reicht aus, um die Gewebemerkmale des Spenders analysieren zu können. Die Untersuchungsergebnisse werden dann in einen Suchlauf einbezogen. "Falls es eine Übereinstimmung gibt, nehmen wir Kontakt mit dem potenziellen Spender auf", erklärt Demet Kaygusuz den Ablauf. Es ist nach 2010 das zweite Mal, dass die Aleviten eine Typisierungsaktion organisiert haben.

Damals versuchten die Initiatoren, einen passenden Spender für den Neffen der Frau von Memduh Dilbas in der Türkei zu finden. 314 potenzielle Spender kamen damals. Für den jungen Angehörigen der Familie fand sich keine Hilfe, aber das Leben dreier anderer Menschen konnte durch die Aktion gerettet werden. "Wir machen es nicht nur wegen Cihan, sondern auch wegen anderen Menschen, die auf Hilfe warten", sagt Memduh Dilbas vom Vorstand der Alevitischen Kulturgemeinde Solingen. 500 Spender sollen diesmal zusammenkommen, dies hat er sich zum Ziel gesetzt.

Um die Gemeindemitglieder mit dem Thema vertraut zu machen, gab es im Vorfeld einen Info-Abend. "Viele hatten Angst, wenn es um das Thema Knochenmarkspende geht", berichtet Memduh Dilbas. "Aufklärung ist wichtig", sagt auch Demet Kaygusuz. Denn Stammzellen werden dem Spender nicht, wie gelegentlich behauptet wird, aus dem Rückenmark entnommen. In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen wie bei der Dialyse aus dem Blut gefiltert. Bei der anderen Methode werden die Stammzellen in einer Operation aus dem Beckenknochen entnommen. Welches Verfahren angewendet wird, entscheidet der Arzt des Patienten.

Quelle: RP
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