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Solingen
"Alles kein Zufall" mit Elke Heidenreich

Solingen. Das Solinger Kunstmuseum im alten Gräfrather Rathaus wurde im Dezember 2015 offiziell zum "Zentrum für verfolgte Künste". Dort ist noch bis zum 17. Juli eine Ausstellung über Joachim Ringelnatz (1883-1934) zu sehen. Der Dichter Ringelnatz, mit bürgerlichem Namen Hans Gustav Böttcher, wurde zum Star in den Kabaretts der Weimarer Republik, seine oft skurrilen Gedichte, meist unter dem Pseudonym "Kuttel Daddeldu" veröffentlicht, sind auch heute noch in jedem Schulbuch der deutschen Sprache präsent, seine Werke der bildenden Kunst sind aber weniger bekannt. Das liegt sicher daran, dass auch seine Bilder ab 1933 als entartete Kunst galten. Von Wolfgang Günther

"Aber jetzt kehrt der Maler Ringelnatz zurück", sagte der Kurator Jürgen Kaumkötter. 50 Originale und 20 Reproduktionen werden im Museum präsentiert, auch dem dichterischen Werk von Ringelnatz wird in der Literaturabteilung des Zentrums breiten Raum gegeben. Ergänzt wird die Ausstellung "Es war einmal ein Bumerang" durch Vorträge und Lesungen, bei denen jeweils ein Kunstwerk von Ringelnatz in den Blickpunkt gerückt wird.

Die vielseitige Autorin Elke Heidenreich hatte für ihre Lesung am Dienstagabend im Kunstmuseum einen Text auf das Gemälde "Dachgarten der Irrsinnigen" verfasst. Man könnte dieses Werk fast despektierlich als lustiges Wimmelbild bezeichnen, wenn nicht an jeder Ecke das Grauen der Verfolgung und des Mordens sichtbar wäre.

Nachdenklich machten ab und zu auch die alphabetisch geordneten Texte, die Elke Heidenreich aus ihrem aktuellen Buch "Alles kein Zufall" las. Das waren oft schnell hin gekritzelte Notizen, die sie später zu kleinen Texten und winzigen Miniaturen verarbeitete, bei denen aber auch der Humor nicht zu kurz kommt. Immer mal wieder konnten die Zuhörer gedanklich einen Bogen zu Ringelnatz schlagen. Denn die kurzen Geschichten der Heidenreich passten ab und an zu den schrägen Reimen des Matrosen Ringelnatz, der zur See gefahren war, und den es immer wieder zum Meer gezogen hatte.

Musikalisch kommentiert wurden die spannenden und lustigen Geschichten mit viel Witz und Können durch den Pianisten Marc-Aurel Flores am Flügel des Kunstmuseums. Er hatte für jeden Text die passende Musik parat und erfüllte Elke Heidenreich jeden Wunsch. Sie schmolz bei seinen Trillern dahin, daher dehnte er sogar die Musik von Richard Wagner mit langen Passagen von Trillern gehörig aus. Die romantische Stimmung steigerte sich noch bei der Barmusik aus dem Film "Casablanca". Nach einer guten Stunde spielte der Pianist das Schlaflied aus der Oper "Hänsel und Gretel", und Elke Heidenreich klappte ihr Buch zu. Sie signierte aber am Stand einer Solinger Buchhandlung noch lange ihre Werke, die Bücher, Hörbücher und CDs füllten den Büchertisch von A bis Z.

Quelle: RP
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